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Liebe ohne Knebel: Die optimierte Beziehungsform

In der heutigen Zeit, in der wir vom Optimierungsgedanken beseelt sind, scheint auch das Zwischenmenschliche davon angesteckt. Was macht eine Beziehung wirklich aus? Worin unterscheidet sie sich von anderen Lebensformen? Was ist es, worauf wir auf keinen Fall verzichten wollen? Die Antwort ist relativ einfach und bestechend: LIEBE und SEX!

Wie erklärt sich sonst die hohe Bereitschaft gebundener Personen, mit anderen intim zu werden? Während der Trend hin zu einer immer lustloseren Partnerschaft geht, in der es seltener als einmal pro Woche zu Geschlechtsverkehr kommt, hat ca. die Hälfte der Männer und Frauen es bereits einmal woanders getan. Obwohl der Wunsch nach Treue und Liebe zurzeit wieder hoch im Kurs steht, scheitert die Erfüllung oftmals in vorhandenen Beziehungen.

Liebe und körperliches Begehren scheinen mit einer Person auf Dauer nicht vereinbar, oder doch? Die Spaltung der Erfüllung beider Bedürfnisse auf zwei oder mehrere Menschen schien lange Zeit die Ideallösung: Der geliebte Ehepartner auf der einen Seite, die erotische Affäre auf der anderen. Und doch hinterlässt diese Zerrissenheit oftmals unangenehme Spuren und führt auch nicht zum angestrebten Wohlempfinden.

Wir wollen einen Partner lieben und respektieren können und gleichzeitig uns selbst verwirklichen und uns treu sein. Wir wollen unsere sexuellen Neigungen ausleben und trotzdem nach einer devoten Haltung im Bett vom Herren die Einkaufskisten geschleppt bekommen. Wir lassen uns gerne “nehmen” und w(s)ollen trotzdem die Madonna bleiben. Was sich überaus widersprüchlich anhört, muss nicht zwingend einer sein!

Viele Menschen leben es schon lange und machen es uns vor: Sie lieben sich, ohne Abhängigkeiten aufzubauen, sie achten sich und können zwischen Bett und Alltag trennen. Sie übernehmen Verantwortung für sich und andere und bürden sie niemandem auf. Sie erwarten wenig und geben viel. Sie sind die besten Freunde, zwischen denen es immer wieder prickelt. Sie finden die Balance von Gemeinsamkeit und Anderssein, von Harmonie und Reiz, von Spannung und Entspannung. Verpflichtungen werden zur Chance, den anderen zu beschenken. Sie nutzen die wenige Zeit, die ihnen heutzutage bleibt, für Liebe und Sex, und nicht zum Hemdenbügeln.

Es gibt sie, die Liebe ohne Knebel. Wer so leben möchte, sollte bei der Partnerwahl darauf achten, dass es sowohl genügend Übereinstimmungen gibt, als auch Gegensätzliches. Ebenso wichtig ist, dass die Kommunikation funktioniert und Sie beide das gleiche Ziel haben. Ob Sie nun dafür zusammenziehen oder lieber Ihre eigene Wohnung behalten, ob Sie sich jeden Tag oder einmal die Woche sehen, ist unerheblich. Das Maß an gelebter Nähe wird sich mit der Zeit einpendeln.

Für diejenigen, die bereits gebunden sind, kann das Loslassen tradierten Denkens eine gute Wahl sein. Es gibt immer einen Weg zum Ziel, wenn Sie ihn wirklich finden wollen!



Klein, fein, knuffig :-)

Was interessieren mich Schönheitsideale, Frauen (und Männer) müssen sich gut anfühlen, riechen, schmecken! Ich frage mich, wie ein Vierfarbendruck so etwas rüberbringen will? Ob “Next-Topmodel” oder die anderen Barbie-Verschnitte der Hochglanzprospekte, sie sind alle wunderschön anzuschauen, aber ich wollte sie nicht neben mir liegen haben. OK, ich bin ja auch eine Frau und trotzdem auch ein wahrnehmenden Wesen. So, wie wir auf einmal Lust auf Waffeln bekommen, wenn uns der Duft von Frischgebackenem um die Nase weht, so werden wir auch vom anderen Geschlecht angezogen. Dieses Parfum hat noch keiner in Flakons gepackt. Wie können uns Papier und Mattscheibe von der seidigen Zartheit einer weiblichen Haut überzeugen? Berühren Sie Ihren Partner das nächste Mal im Dunkeln und beschreiben dann, was Sie spüren. Wie fühlen sich kleine Wölbungen an, wie der Speck auf den Hüften? Ist das für Sie unangenehm? Es gibt wunderschönes Obst, ohne Makel, das bloß nicht schmeckt. Ich bin klein, fein und knuffig und ich fühle mich gut damit.



“Willst Du mit mir gehen?”

Sie kennen das vielleicht noch aus Ihrer Schulzeit oder von Ihren Kindern. Da werden während der Schulstunde Zettelchen ausgetauscht, auf denen die Frage steht: “Willst Du mit mir gehen?”. Eine klare Willenserklärung, die auf eine klare Antwort abzielt: Ja, oder Nein?

Wo für Kinder selbstverständlich Klärungsbedarf besteht, schwebt bei Erwachsenen oft eine große, graue Wolke der Ungewissheit. Nach einem ersten Treffen wäre es sicher verfrüht, auf eine solche Entscheidung hinzuwirken. Schließlich will man sich erst einmal besser kennen lernen. In diesem Stadium kommt sehr oft die Liebeserklärung ins Spiel. Das erste Kribbeln im Bauch, als eindeutiges Indiz für Verliebtheit, lässt uns geradezu zwingend darauf schließen, mit diesem Menschen dauerhaft zusammen kommen zu wollen. Es ist dieses unbestimmte Gefühl, das uns sagt, dies müsse der richtige Partner für uns sein.

Erst einmal ausgesprochen oder gar schriftlich fixiert, ist die Liebeserklärung meist gleichzeitig die ein- oder beidseitige Entscheidung  für eine engere Beziehungsform. Das Gefühl der Liebe für einen Menschen möchte auch gelebt werden und stellt für viele von uns immer noch eine Art schicksalhafte Fügung dar. Dabei sind wir uns schon bewusst, dass wir in unserem bisherigen Leben bereits mehrfach diesen Enthusiasmus für eine andere Person entwickeln konnten.

Es kann aber auch so sein, dass sich zwei Menschen begegnen, sich sympathisch finden, sich wieder sehen möchten, Zeit miteinander verbringen, sich näher kommen und schließlich auch eine physische Grenze überschreiten. Aus Sympathie wird Anziehung, aus Wiederholung Gewohnheit, aus Vertrautheit irgendwann auch Liebe. Diese Entwicklung wird gerne als Vernunftbeziehung bezeichnet, obgleich sie auch aus einem anfänglichen Gefühl hervorgeht. Allerdings wird dieses Gefühl nicht so heftig empfunden und es ist uns weniger bewusst, was uns am anderen fasziniert. Es scheint einfach die beste Wahl zu sein.

Welchen Weg die Anbahnung auch nimmt, es gibt unzählige Faktoren, die diesen einfach Satz: “Willst Du mit mir gehen?” bei uns Erwachsenen überflüssig zu machen scheinen. Eine einfache Frage, die - wenn sie denn auch vom Angebeteten beantwortet  - zu eindeutig mehr Klarheit und vor allem zu einer bewussten Entscheidung für Liebe führen würde. Schließlich bleibt es immer noch Ihnen überlassen, wann Sie diese Frage stellen. Tun Sie es bitte nicht zu spät, denn manchmal glaubt man sich in Sicherheit und erlebt später böse Überraschungen ..




Koitus statt Kuscheln?

Kuscheln, Kosen, Küssen, sind für mich nicht nur die schönsten Dinge, die man mit (einem) anderen Menschen tun kann, sondern ein überaus erfüllendes Gefühl. Es füllt unsere Speicher mit Wärme, Geborgenheit und Liebe auf. Man kann gleichzeitig der gebende und empfangende Part sein, eindringen und aufnehmen, fühlen und gefühlt werden, mit allen Sinnen wahrnehmen.

Physische Nähe ist ein Grundbedürfnis, ohne das sich z.B. ein Kleinkind nicht gesund entwickeln würde. Aber nur weil wir heute erwachsen sind, bedeutet das nicht, dass wir sie nicht mehr brauchen. So, wie wir schnell zur Nummer des Fast-Food-Lieferanten greifen, scheinen wir es auch mit körperlicher Nähe zu handhaben. Liebloser Routine-Sex bei Pärchen, der One-Night-Stand mit dem Fremden, die Quickie-Affäre mit dem Fremdgänger. Dabei würde uns eine Ganzkörpermassage mehr geben, als Koitus ohne Kuscheln und wäre auch gesünder.

Welche Botschaft geben wir damit unseren Kindern, die Ihre Eltern kaum knuddelnd sehen, geschweige denn küssend? Lieben findet nur hinter verschlossenen Türen statt? Zärtlichkeit ist schlecht? Man berührt sich nicht in der Öffentlichkeit? Wollen wir, dass sie es genauso machen wie wir? Haben Sie ihnen schon mal Ihre eigene Love-Story erzählt? Vom ersten Blick, der ersten flüchtigen Berührung, vom ersten Kuss berichtet? War es damals nicht gerade die Spannung auf mehr, die alles so prickeln lies? Die Kids von heute müssen doch annehmen, dass es immer nur auf das Ziel ankommt und das heißt: Koitus statt Kuscheln?



“Just for Fun!”

Wenn ich das schon lese: “Nur zum Spaß!” Nur so zum Spaß will man sich mit einem Menschen zusammen tun, mit ihm intim werden. Man liest es in Profilen von Singles und es gibt ganze Gruppen, in denen sich Anbeter von ungezwungenem Sex bündeln. Es mag ja ein erstrebenswertes Ziel sein, einen Mann oder Frau zu finden, der mit in die Kiste springt, ohne danach das Bettchen machen zu müssen oder sich stundenlange Gespräche anzuhören. Es mag verlockend erscheinen, alles ganz frei und unverbindlich angehen zu lassen, ohne Erwartungen und Gefühle. Aber in welcher Welt leben diese Menschen?

Haben Sie verdrängt, dass Handlungen - welcher Art auch immer - Reaktionen des anderen hervorrufen? Haben Sie vergessen, dass Menschen keine gefühllosen Monster sind? Wollen Sie nicht wahrhaben, dass jeder von uns verantwortlich ist, für das was er tut? Wollen Sie denn gar nichts empfinden? Wie soll das gehen?

Wir kommen uns nirgendwo näher, als beim Sex. Wir erleben den Gegenüber mit allen Sinnen. Wir riechen, sehen, schmecken, hören, fühlen ihn. Natürlich empfinden wir dabei auch etwas. Das ist ja auch der Sinn der Sache. Wir genießen die Zartheit der Haut, den Duft, die Melodie der Stimme, die individuelle Schönheit. Es erregt uns, es soll uns ja auch erregen. Wir möchten mit dem anderen verschmelzen, einige Momente eins sein, um uns dann wieder zu trennen, als wäre das alles nur ein Spiel? Als bräuchten wir das nicht? Als wäre uns der Sexualpartner egal? Würden wir das denn wirklich mit jedem machen wollen?

In dem Moment, in dem ich mich für einen Menschen entscheide, ihn näher als einen Meter an mich heran zu lassen. In diesem Moment muss diese Person jemand Besonderes für mich sein. Wir lassen ihn an uns “ran”. Je näher wir ihm kommen, umso näher - und damit intensiver - wird auch unsere Beziehung. Eine Beziehung bleibt nie ohne Folgen.

Einmal abgesehen von den Folgen, die sich schneller ergeben können, als einem lieb ist; wie ungewollte Schwangerschaft oder die Übertragung von Krankheiten. Auch ein Gummi bietet keinen Schutz vor Tränen wegen gebrochener Herzen oder zerstörter Hoffnungen. Die Frage ist wohl eher, bei wem diese Tränen fließen werden. Das ist gar nicht immer so eindeutig, wie man vielleicht glauben mag. Man kann nun mal nicht so einfach einerseits Gefühle ausschalten - damit man sich nicht in den anderen verliebt - und dann offen sein, für das, was man empfinden will. Das schaffen die wenigsten.

Was bleibt nun unter dem Strich von diesem “Spaß”? Im besten Fall, dass man ihn immer wieder haben will - und zwar beide - und dann daraus doch eine verpflichtende Bindung entsteht oder zumindest ein verantwortungsvoller Umgang mit dem anderen, seinen Sorgen und Ängsten, gelebt wird. Die andere Seite der Medaille kennen wir wohl alle gut genug. “Just for Fun”? Vielleicht denken Sie einfach noch einmal darüber nach ..



Geht es immer nur um SEX?

Auf die Frage, was im Leben das Wichtigste sei, antwortete mir einmal ein junger Mann: “Sex!”. Alles drehe sich im Leben letztlich nur darum.
Wenn wir z.B. von Vertrauensbruch sprechen, dann ist damit meist gemeint, dass einer der Partner fremd gegangen ist. Der andere ist “betrogen” worden, heißt es. Aber “betrügen” wir den anderen nicht auch mit anderen Verhaltensweisen, bzw. schränken wir den anderen nicht auch ein, wenn wir ihn alleine besitzen wollen?
VERTRAUEN ist ein großes Wort und es bedeutet nicht unbedingt für jeden dasselbe. Ich z.B., möchte in einer Beziehung darauf vertrauen können, dass mein Partner in guten und in schlechten Zeiten zu mir hält, für mich da ist, mit mir Freud’ und Leid teilen will. Das wäre zumindest ein erstrebenswertes Ziel. Dabei geht es mir nicht um triebhaftes Verhalten, sondern um LIEBE. Es gibt Menschen, die sich einander lieben und trotzdem beiderseits außerpartnerschaftliche Sexualkontakte leben. Ebenso gibt es Pärchen, die sich nicht mehr lieben und trotzdem noch Sex miteinander haben.
Wenn sich ein Mann (Frau) kontinuierlich um eine Frau (Mann) bemüht, dann geht es entweder um Partnerschaft oder Sex, wobei das Erste das zuletzt genannte in der Regel beinhaltet, also letztlich doch wieder “nur” um das Eine?
Mich interessiert am anderen Geschlecht das Andersartige, es macht mich neugierig und ergänzt meine Art. Ich kann oft davon lernen, wie Männer das Leben meistern und bin immer wieder erstaunt, wie schwach das eigentlich “starke” Geschlecht manchmal sein kann.
Wenn sich zwei Menschen lieben, dann funktioniert in der Regel auch die Verständigung und damit auch der SEX. Sicher ist ein befriedigendes Sexualleben eine Wohltat für jeden Menschen, aber ist es wirklich das Wichtigste?

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