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8.7.2010 von sabina voice.
Wir kennen das klassische Buch in gedruckter Form, das eBook (meist im pdf-Format), Blogs, Twitter, Wikis, seitenweise Wissen im WWW. Warum nicht beides miteinander kombinieren?
Das, was mir für mein Leben wichtig erscheint, möchte ich gerne erhalten. Eine Internetseite kann sich schnell ändern, Zeitungen und Zeitschriften landen im Papiermüll, Bücher verstauben in Regalen. Ich möchte etwas in der Hand haben, wenn ich lese, will darin rumkritzeln, etwas markieren können und fühlen, während meine Augen über die Buchstaben gleiten. Das flüchtige Huschen über Touchscreens ersetzt mir nicht das Nachschlagen und Wiederfinden. Ein handliches Buch im Bett, ist immer noch anschmiegsamer als ein Mac.
Wie wäre es mit einem ganz persönlichen Buch? Sie nutzen die Möglichkeiten der Datenbanksuche und finden schnell genau das Thema Ihres Interesses und drucken sich dann einfach genau das aus. Bücherseiten kann man kopieren und die liebevoll angelegte Kladde damit ergänzen. Sie behalten nur das, was Ihnen wichtig ist und archivieren nicht tausende von nutzlosen Seiten. Was in der Fotografie als Fotobuch bereits Einzug gehalten hat, könnte Verlage dazu inspirieren, eine ganz neue Form des harmonischen Miteinander digitaler Medien und klassischem Prints zu kreieren.
Alle Artikel meines Blogs können Sie z.B. mit Hilfe der Druckfunktion bequem in Papierform bringen. Wählen Sie selbst, was Ihnen wichtig ist und erstellen Sie sich Ihr persönliches “SABINA VOICE BOOK”. Nutzen Sie die Stichwort-Suche unten links, um genau das zu finden, was bereits zu einem bestimmten Thema veröffentlicht wurde. Viel Spaß damit!
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22.6.2010 von sabina voice.
Man sagt: Mathematiker sind faule Leute, ich behaupte es auch gerne, weil es für mich viel weniger Arbeit ist, einige Regeln zu behalten, als tausende Vokabeln. Für mich ist Rechnen ein Spiel, in dem Zahlen die Figuren sind, die ich bewege.
So kann man z.B. bei einem klassischen Brett-Spiel wunderbar das System der Ganzen Zahlen nachvollziehen: fünf Schritte vor und zwei zurück, ist dasselbe, als wäre man nur drei nach vorne gegangen. Das versteht jedes Kind auf Anhieb.
Wenn Sie einen Schüler fragen, wieviel vier mal einhalb ist, dann fängt er an zu überlegen und wird eine Weile brauchen. Fragen Sie ihn aber danach, wieviel Pizza das ist, kommt die Antwort sofort. Die leckeren Teigfladen kennt er aus seinem Leben, in der Regel mögen Kinder dieses Essen, haben also einen positiven Bezug dazu, und sie können es besser begreifen, weil es greifbar ist!
Ein Wendepunkt in der Analysis ist dort, wo sich die Krümmung ändert: von links- nach rechtsgekrümmt und umgekehrt. Wer Auto fährt, kann sich das in der Regel gut vorstellen, weil er aus eigener Erfahrung weiß, wann er das Lenkrad anders einschlägt. Für jemanden, der keinen Führerschein hat, ist das schon schwieriger. Den setze ich eben aufs Fahrrad, wenn es sein muss.
Das Rechnen mit Tassen und Tellerchen oder Stühlen als Platzhaltern ist wesentlich aufwändiger als die Abstraktion und doch macht es erst den Sinn dieser ersichtlich! Eine Variable steht für irgendeine Zahl, ob sie nun x oder y heißt oder Lieschen Müller.
Für mich kommt im heutigen Mathematik-Unterricht genau dieser Praxisbezug zu kurz. Die Schüler wissen nicht, was sie da überhaupt tun und wozu. Wer darüber hinaus zu denjenigen Personen gehört, die Dinge ausprobieren müssen, um sie zu verstehen, der hat es eindeutig schwerer, als andere.
Einer meiner Favoriten in Sachen Lehren und Lernen, ist Prof. Dr. Werner Stangl vom Institut für Pädagogik und Psychologie an der Johannes Kepler Universität Linz. Seine Arbeitsblätter und Lerntipps sind nicht nur hilfreich, sondern auch leicht umsetzbar. Wer Lust auf einen kleinen Test hat, welcher Lerntyp er ist, der folge diesem Link: HALB-Test
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3.6.2010 von sabina voice.
“Die Theorie ist die eine Seite, aber wie bitte setze ich sie in der Praxis richtig um?” Bücher gibt es eine Menge, in denen schlaue Dinge stehen, doch noch längst nicht jeder ist als Autodidakt geboren. Ich liebe z.B. Betriebsanleitungen, darin wird immer alles so schön Schritt für Schritt beschrieben und ich würde mir wünschen, dass das auch z.B bei Schulbüchern so ist. Die Fachsprache ist zwar der Form nach korrekt, doch was nutzt sie, wenn der Laie sie nicht versteht und nachvollziehen kann? Dummies sind wir alle, solange wir etwas Bestimmtes noch nicht wissen und können. Kaum ein Schüler kann z.B. mit den Inhalten eines Mathematikbuchs wirklich etwas anfangen. Ich habe mir viele angeschaut und nur wenige sind meiner Meinung nach empfehlenswert. Manche schaffen den Spagat zwischen einer verständlichen Alltagssprache und der üblichen Schreibweise.
Andersherum kommt es vor, dass man zwar eine Regel anwenden kann, jedoch den dahinter liegenden Sinn nicht versteht. Wenn ich bisher einen Oberstufen-Schüler befragte, was er mit der Differenzialrechnung berechnet, blieb die Antwort meist aus. Sie wissen, wie man Ableitungen bestimmt und finden auch die Extrempunkte, doch was das Ganze soll, hat ihnen wohl keiner gesagt.
Aus meiner Erfahrung als Coach für Mathematik kann ich berichten, dass es durchaus Lehrer gibt, die es schaffen, gute und verständliche Anleitungen zu formulieren, die die Umsetzung erheblich erleichtern. Das sind sicher diejenigen, die sich noch an ihr eigenes Schülerdasein erinnern können. Es wäre schön, wenn genau diese auch die Lehrbücher verfassen würden ..
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21.5.2010 von sabina voice.
‘”Nominalisierungen”, “Modaloperatoren der Möglichkeit”, “Kausalitäten”, sind Begriffe aus der Welt der Sprache, doch wer weiß schon so genau, was sie bedeuten?
“Nominalisierung” beschreibt die Bildung von Substantiven aus anderen Wortarten. Wikipedia meint dazu: “… Durch die Möglichkeit der Substantivierung wird die Darstellung und Aufnahme von Sachverhalten beeinflusst. … Substantivierung dient unter anderem dazu, ein Wort objektiver erscheinen zu lassen, so dass es unabhängig von einer konkreten handelnden Person erscheint.”
Nomen, wie “Wachstum” und “Erfolg” lassen Raum für eigene Interpretationen von Prozessen, die damit verbunden sein könnten, sie aber nicht wirklich beschreiben. Wir lesen sie auf Werbeplakaten und Politiker benutzen sie gerne in ihren Reden. Sie gehören - genauso wie Bewertungen - zu den “Tilgungen“, weil wesentliche Informationen fehlen (”Wer sagt das?”) oder unkonkret sind (”Was ist die genaue Bedeutung?”).
Auch die so genannten: “Modaloperatoren der Möglichkeit und der Notwendigkeit” lassen uns glauben, es sei irgendetwas generell so. Neben der “Verallgemeinerung” (”Ohne Fleiß keinen Preis”), schwingt entweder ein: “Ich könnte..” oder “Ich müsste..” mit. Von meinen Schülern kenne ich z.B. die Aussagen: “Ich bin dumm, ich lerne das nie!” oder “Ich muss mehr lernen, sonst bleibe ich sitzen.” nur zu gut. Diese Sätze werden selten hinterfragt.
“Kausalitäten” stellen falsche Verknüpfungen zwischen Ursache und Wirkung her. Wenn Ihnen jemand sagt, dass SIE ihn wütend machen, dann liegt das nicht an Ihrer Person, sondern daran, dass Sie etwas beim anderen auslösen. Das wiederum ist auf eine Erfahrung des Senders der Botschaft zurückzuführen und könnte mit: “Womit bewirke ich das?” erfragt werden.
Was Milton Erickson - einer der innovativsten Psychotherapeuten seiner Zeit - erkannte, wird auch heute nicht nur in der Werbung umgesetzt. Man kann diese Kenntnisse dazu nutzen, sie bei anderen zu entlarven, zu entwirren und in Frage zu stellen. Wenn man Sprachmuster erkennt und sie anders benutzt, verändert sich dadurch auch die Reaktionsweise unserer Umwelt. In unserem Gehirn werden - bei konsequenter Anwendung - neuronale Ensembles umstrukturiert und auch wir verändern uns.
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3.5.2010 von sabina voice.
Musik erreicht unser Unbewusstes, mit ihr drücken wir aus, was uns bewegt. Dazu gehören Ängste, Wut und verdrängte Wünsche genauso, wie Freude und Liebe. Selbst wenn Sie den Text nicht verstehen, sie spüren worum es geht. Wenn man wissen will, was die Menschen eines Jahrzehnts bewegt hat, dann braucht man bloß der Musik dieser Phase lauschen. Die Künstler, die der Masse aus der Seele sprechen, werden erfolgreich, vorausgesetzt es ist ihnen wichtig, dass ihre Botschaft gehört wird. Wir können nichts wachsen lassen, wenn es keinen Boden findet, da kann man noch so viele Samenkörner verteilen.
Erfolgreiche Musikmanager sind in erster Linie gute Marktforscher. Sie haben Zahlen und ein Gespür für die Belange ihrer Zielgruppe. Heutzutage z.B. ist Individualität hoch im Kurs, man ist sensibler als früher und möchte sich unbedingt selbst verwirklichen. Das alles verkörpern die Stars des Mainstreams. Wahre Typen sind gefragt, Besonderheiten, sensibel, voller Gegensätze und ein bisschen aufmüpfig, so wie die jungen Wilden, die gerade in der Pubertät sind. Stars sind unsere Vorbilder, sie sollen das leben (können), was wir auch gerne täten. Das ist selbst im erwachsenen Alter noch so.
Heute ist das Leben einerseits einfacher, aber auch schwerer als früher. Es wird mehr von unserer Jugend erwartet und dabei haben sie kaum Gelegenheit sich im Scheitern zu üben, denn auch das muss gelernt sein. Sie können schon früh viel, doch wissen sie nicht wofür. Sie lieben sich früher - mit dem Körper. Sie bräuchten die Stärke und fühlen sich dabei doch noch so schwach. Es hat kaum mehr einer Zeit, ihnen den Halt zu geben, den sie bräuchten. So treiben viele mehr oder weniger ziellos dahin. Hier steht genau, worum es geht, einfach mal die Liedtexte lesen und verstehen: SWR3 Lyrics.
Interessante Lektüre zum Freizeitverhalten und wie die Jugend tickt: Silke Borgstedt/Marc Calmbach: Vernetzt - Verplant - Verschieden
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30.4.2010 von sabina voice.
Früher dachte ich, alles müsse perfekt sein, irgendwie vollkommen. Heute finde ich Vollkommenheit langweilig. Es liegt wohl auch an der Gelassenheit des Alters, dass man als Mitt-Vierzigerin nicht mehr nach dem Nonplusultra strebt, ganz im Gegenteil! Ich mag, wenn die Dinge unvollkommen sind, denn dann kann sich immer noch etwas verändern. Man muss sich auch nicht mehr beweisen, dass man etwas erreichen kann, man weiß es und auch wie, wenn es einem wichtig ist.
Vielleicht ist es auch die Versöhnung mit dem Altern, dass man die Unvollkommenheit lieben lernt. Wenn die Haut schon nicht mehr so gespannt ist wie früher, sondern langsam anfängt zu knittern, dann erklärt man eben den Knitter-Look als etwas ganz Besonderes. Dieses “Umdeuten” ist ein probates Mittel, auf eine veränderte Situation zu reagieren, damit man sich wohler fühlt.
Auch die Medien haben diesen Trend schon lange erkannt und zeigen uns nicht mehr nur die vollkommenen Schönheiten, sondern Menschen wie Du und ich. So ein Modell gleiches Wesen ist zwar schön anzusehen, aber wer will schon wirklich damit leben? Was soll man da entdecken können? Und wir wissen heute doch auch alle, wie Schönheiten zu solchen gemacht werden.
Ecken und Kanten, kleine Fehler, machen uns zu unverwechselbaren Individuen!
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11.4.2010 von sabina voice.
Viele Beziehungskonflikte im Leben, ob beruflich oder privat, sind auf unterschiedliche Persönlichkeiten zurückzuführen, die aufeinander treffen. Man selbst kann sich manchmal kaum vorstellen, wie anders andere “ticken” können.
Ein Freund von mir - den ich sehr schätze und liebe - will immer alles kurz und prägnant formuliert haben. Ihn langweilen meine ausschweifenden Beziehungsfragen und philosophischen Ergüsse. Er liebt es, wenn ich den Mund halte, und ihm einfach nur zuhöre. Er ist ein klassischer Tüftler, kann nächtelang an Details arbeiten, sucht perfektionistisch nach dem Optimum, selbst wenn man das Haus abreißen würde, in dem er wohnt. Er ist die Ruhe selbst - nach außen hin, kann meine Stimmungen überhaupt nicht nachvollziehen - weil er dafür keine Antennen hat - und liebt seine Freiheit über alles. Er denkt logisch, nähert sich Schritt für Schritt seinem Ziel, hat dabei alle Geduld der Welt und führt alles was er anfängt auch zu Ende. Er könnte mir heute noch sagen, wie der Weg aussah, den wir vor Jahren zum ersten Mal gingen. Er könnte mir sagen, wonach es damals roch, ob die Schafherde Junge hatte, welche Wolken am Himmel zu sehen waren, kurz: Er ist das genaue GEGENTEIL VON MIR!
Da ich nun mal ein Mensch bin, der gerne etwas von anderen lernt, der Neues entdecken will, der immerzu Input braucht, kam mir dieser Typ gerade recht, doch mit ihm auszukommen und ihn zu verstehen, daran wäre ich fast gescheitert. Anfangs wollte ich ihn verbiegen, ihm meine Art und Weise näher bringen, ihn davon überzeugen, dass ICH richtig liege. Das versuchte er auch mit mir und der Machtkampf begann. Heute kommt mir das ziemlich dumm vor, denn das konnte nicht gut gehen. Außerdem finde ich ja viele Eigenschaften von ihm auch sehr positiv und nützlich und ich wäre insgeheim froh, ein bisschen davon zu haben. Ich fühlte zwar, dass es für mich irgendwie sinnvoll sein würde, einem solchen Mann begegnet zu sein, doch es war lange Zeit eine Quälerei für uns beide. Wir haben nur eine kleine Schnittmenge, die wir leben können und doch haben wir auch voneinander gelernt und ich wäre heute in einigen Dingen längst nicht so erfolgreich, wenn ich mir nicht etwas von ihm abgeschaut hätte. Ich bin ruhiger geworden, introvertierter, weniger impulsiv, logischer und kann jetzt auch mal ein bisschen Chaos aushalten. Ich weiß heute, dass ER EBEN SO IST, wie er ist und das ist auch gut so. Ich glaube, er fand so manche Aufregung meinerseits auch nicht so schlimm. Im Gegenteil, so ein bisschen Energie und Lebensfreude steckt jeden an, selbst einen - eher unterkühlt wirkenden - Cowboy.
Für alle, die tagtäglich ihre Mühe mit ihrem Gegenüber haben - ob im Büro oder zuhause - dem sei das folgende Buch empfohlen: “So bin ich eben!” Erkenne dich selbst und andere”, von zwei Trierer Psycho-Fachfrauen: Stefanie Stahl und Melanie Alt. Dort kann man auch einen kleinen Persönlichkeitstest machen. Und vielleicht verstehen Sie bald besser ..
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30.3.2010 von sabina voice.
Schüler polarisieren gerne: Die Vorstellung, dass man gut in der Schule UND im gesellschaftlichen Umfeld für andere interessant sein kann, scheint ab einem bestimmten Alter vollkommen unmöglich. Bloß kein Streber, sondern angesagt sein, dazwischen scheint es nichts zu geben. Wer sich die Coolness aus Videos abguckt, kann nicht wissen, dass das ganze Theater bis ins kleinste Detail von Menschen geplant und durchdacht wird, die lange Jahre studiert haben, Künstler wie Marketing-Experten. Es ist NICHT so, wie es nach außen scheinen soll. Das Bild, vom über Nacht zum Star werdenden Außenseiter, verkauft sich zwar gut bei den unwissenden Kids, eine Beratung bei der Agentur für Arbeit oder schon das Googlen auf Planet-Beruf würde sie dagegen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen bringen. Selbst Profis aus dem Showbiz verfügen entweder über jahrelange Erfahrung auf ihrem Gebiet oder/und einem fundierten Wissen, das sie zu dem machte, der sie heute sind. Moderatoren sind studierte Journalisten, Musiker übten sich über viele Jahre in Live-Auftritten und Produzenten sind auch nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Ohne eine gute Ausbildung mit entsprechendem Abschluss kommt man auch dort nicht viel weiter. Wer also später einmal locker und lässig die Hüften schwingen will, sollte sich schon heute einen Bibliotheksausweis besorgen. Zur Praxis gehört eben auch die Theorie und genau die lernt man auf der Schule!
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27.1.2010 von sabina voice.
Bereits letztes Jahr im Frühjahr verließ ich die WKW-Plattform und kritisierte die Anonymität und den kaum vorhandenen Nutzen eines solchen Netzwerks für mein Leben: “Keine Bange, ich kenne Euch noch!”. Trotzdem meldete ich mich nach einer Weile wieder an. Irgendwie hatte man das Gefühl mit anderen Menschen verbunden zu sein, auch wenn man alleine am Schreibtisch saß. Da ich ein neugieriger Mensch bin und die Flut an Informationen über Personen, die ich im wahren Leben nie getroffen hätte, mich immer wieder faszinierte, war Frau fast ständig online.
Allerdings unterschätzt man einen wichtigen Aspekt: Nähe wird zur Illusion! Man glaubt viele Freunde zu haben, man schreibt mit fremden Menschen über intime Dinge, man erzeugt ein künstliches Nähe-Empfinden, obwohl man im realen Leben nicht einmal wüsste, ob man den anderen mag, ihm nie gegenüber gestanden hat, noch weiß, wer er wirklich ist. Hinter einem Fake kann sich durchaus ein liebevoller Mensch verstecken, doch wenn man ihm näher kommt, scheitert das Konstrukt an der Realität, eben weil es nur ein Konstrukt ist. Ich halte es sogar für gefährlich, wenn man sich nur noch diesen Zombies aussetzt und es fällt immer schwerer, diese von anderen zu unterscheiden.
Wenn ich mir überlege wieviel Zeit ich in den letzten Monaten darauf verschwendet habe, hier und dort zu klicken, in fremde Welten hinein zu schauen, immer wieder der falschen Hoffnung zu unterliegen, Freunde oder sogar einen Partner zu finden. Im Gegensatz zu anderen Netzwerken, bekommt man bei WKW keine Benachrichtigung über eingegangene Nachrichten per Mail, d.h. man schaut ständig nach der Post. Das haben die Erfinder schon clever eingefädelt. Da lob ich mir den klassischen Chat per ICQ oder Yahoo und auch die stink normale, elektronische Mail. Freunde kennen meine Kontaktdaten und welche, die es werden wollen, sollten sich wenigstens die Mühe machen müssen, mich oder das Telefonbuch zu befragen.
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5.11.2009 von sabina voice.
Für ein Produkt oder eine Dienstleistung werben, ist nicht viel Anderes, als mit guten Freunden kommunizieren. Freunde, die sie vielleicht noch nicht als solche gewonnen haben, die es aber werden sollen. Gute Freunde ruft man ab und zu an und fragt sie nach ihrem Befinden, erzählt dann ein bisschen von sich und bespricht was gerade wichtig ist. Es ist auf jeden Fall keine Einbahnstraße, sondern ein Senden und Empfangen!
Klassische Werbung ist in der Regel einseitige Kommunikation. Ein Feedback ist auch gar nicht erwünscht, denn wer sollte sich auch darum kümmern? Mich wundert es nicht, dass es kaum noch Menschen gibt, die Lust auf eine Befragung haben. Wenn man als Ge- oder Verbraucher nur dazu da sein soll, dem anderen einen Nutzen zu stiften, dann fragt man sich schon, warum man das tun sollte. Schließlich hat es auch keinen zuvor interessiert, ob man sich von der Newsletterflut im E-Mail Postfach gestört gefühlt hat oder die Flyer gut fand, die den Briefkasten zumüllten. Machen Sie sich einen Plan, wann Sie mal wieder Ihre Freund XY anrufen sollen? Schicken Sie ihm regelmäßig eine Mail oder Karte oder eben nur dann, wenn es auch einen konkreten Anlass dazu gibt? Genauso könnte auch kommerzielle Werbung sein: Eine Botschaft für einen Freund: einfühlsam, wertschätzend, angemessen und am Gegenüber interessiert! Damit meine ich nicht das Interesse an ihm als Konsument, sondern eine aufrichtige Neugierde für seine Person, seine Meinung, seine Einstellung, seine Gefühle.
Diese Auffassung von Werbung erfordert selbstverständlich auch eine Anpassung des Werbens. In der heutigen Zeit wachsen auch die Möglichkeiten dazu, was eine große Chance für Veränderung ist. Es werden sich meiner Meinung nach langfristig nur diejenigen Unternehmer am Markt halten können, die diese Zeichen frühzeitig sehen und umsetzen, denn Aufmerksamkeit erreicht man nur dadurch, indem man sich von anderen positiv abhebt!
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