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Viel Zeit für NICHTS

Bereits letztes Jahr im Frühjahr verließ ich die WKW-Plattform und kritisierte die Anonymität und den kaum vorhandenen Nutzen eines solchen Netzwerks für mein Leben: “Keine Bange, ich kenne Euch noch!”.  Trotzdem meldete ich mich nach einer Weile wieder an. Irgendwie hatte man das Gefühl mit anderen Menschen verbunden zu sein, auch wenn man alleine am Schreibtisch saß. Da ich ein neugieriger Mensch bin und die Flut an Informationen über Personen, die ich im wahren Leben nie getroffen hätte, mich immer wieder faszinierte, war Frau fast ständig online.

Allerdings unterschätzt man einen wichtigen Aspekt: Nähe wird zur Illusion! Man glaubt viele Freunde zu haben, man schreibt mit fremden Menschen über intime Dinge, man erzeugt ein künstliches Nähe-Empfinden, obwohl man im realen Leben nicht einmal wüsste, ob man den anderen mag, ihm nie gegenüber gestanden hat, noch weiß, wer er wirklich ist. Hinter einem Fake kann sich durchaus ein liebevoller Mensch verstecken, doch wenn man ihm näher kommt, scheitert das Konstrukt an der Realität, eben weil es nur ein Konstrukt ist. Ich halte es sogar für gefährlich, wenn man sich nur noch diesen Zombies aussetzt und es fällt immer schwerer, diese von anderen zu unterscheiden.

Wenn ich mir überlege wieviel Zeit ich in den letzten Monaten darauf verschwendet habe, hier und dort zu klicken, in fremde Welten hinein zu schauen, immer wieder der falschen Hoffnung zu unterliegen, Freunde oder sogar einen Partner zu finden. Im Gegensatz zu anderen Netzwerken, bekommt man bei WKW keine Benachrichtigung über eingegangene Nachrichten per Mail, d.h. man schaut ständig nach der Post. Das haben die Erfinder schon clever eingefädelt. Da lob ich mir den klassischen Chat per ICQ oder Yahoo und auch die stink normale, elektronische Mail. Freunde kennen meine Kontaktdaten und welche, die es werden wollen, sollten sich wenigstens die Mühe machen müssen, mich oder das Telefonbuch zu befragen.



Anders Werben: Eine Botschaft für einen Freund

Für ein Produkt oder eine Dienstleistung werben, ist nicht viel Anderes, als mit guten Freunden kommunizieren. Freunde, die sie vielleicht noch nicht als solche gewonnen haben, die es aber werden sollen. Gute Freunde ruft man ab und zu an und fragt sie nach ihrem Befinden, erzählt dann ein bisschen von sich und bespricht was gerade wichtig ist. Es ist auf jeden Fall keine Einbahnstraße, sondern ein Senden und Empfangen!

Klassische Werbung ist in der Regel einseitige Kommunikation. Ein Feedback ist auch gar nicht erwünscht, denn wer sollte sich auch darum kümmern? Mich wundert es nicht, dass es kaum noch Menschen gibt, die Lust auf eine Befragung haben. Wenn man als Ge- oder Verbraucher nur dazu da sein soll, dem anderen einen Nutzen zu stiften, dann fragt man sich schon, warum man das tun sollte. Schließlich hat es auch keinen zuvor interessiert, ob man sich von der Newsletterflut im E-Mail Postfach gestört gefühlt hat oder die Flyer gut fand, die den Briefkasten zumüllten. Machen Sie sich einen Plan, wann Sie mal wieder Ihre Freund XY anrufen sollen? Schicken Sie ihm regelmäßig eine Mail oder Karte oder eben nur dann, wenn es auch einen konkreten Anlass dazu gibt? Genauso könnte auch kommerzielle Werbung sein: Eine Botschaft für einen Freund: einfühlsam, wertschätzend, angemessen und am Gegenüber interessiert! Damit meine ich nicht das Interesse an ihm als Konsument, sondern eine aufrichtige Neugierde für seine Person, seine Meinung, seine Einstellung, seine Gefühle.

Diese Auffassung von Werbung erfordert selbstverständlich auch eine Anpassung des Werbens. In der heutigen Zeit wachsen auch die Möglichkeiten dazu, was eine große Chance für Veränderung ist. Es werden sich meiner Meinung nach langfristig nur diejenigen Unternehmer am Markt halten können, die diese Zeichen frühzeitig sehen und umsetzen, denn Aufmerksamkeit erreicht man nur dadurch, indem man sich von anderen positiv abhebt!

Spiel oder Ernst?

Wir spielen” Monopoly” und “Mensch ärgere dich nicht”, erfreuen uns an Gewinnen, schluchzen wegen Verlusten, amüsieren uns über das Leid der anderen. Das alles können wir einfach so leben, weil es ja “nur” ein Spiel ist. Es wird niemand real geschadet, aber es wird auch keiner tatsächlich reich. Ich bezweifele, dass wir uns in dem Moment, in dem wir diesen Gefühlen freien Lauf lassen, darüber bewusst sind, dass dies alles nicht wahr ist, denn das, was wir gerade empfinden, ist echt.

Wen wundert es da, dass so viele junge, wie auch ältere Menschen, immer mehr in eine (virtuelle) Fantasie-Welt abtauchen. Die Erlebnisse sind die selben. Schließlich ist eine sechsstellige Zahl auf einem Kontoauszug auch irgendwie abstrakt. Kaum jemand hat jemals so viel Geld auf einem Haufen gesehen und wenn, dann war es eigentlich auch nur ein Haufen Papierschnipsel.

So, wie wir im wirklichen Leben spielerisch Erfolg haben können, so kann es ernste Folgen haben, wenn aus bloßem Spiel Realität wird. Es kommt wie immer darauf an, wie wir damit umgehen und wofür wir dieses Wissen einsetzen. Solange Sie beides noch auseinander halten können, ist alles in Ordnung.



“Keine Bange, ich kenne Euch noch!”

Ich habe mich gestern aus WKW abgemeldet. Ich sah bereits zu Anfang keinen großen Sinn, mich dort zu beteiligen, habe mich dann doch dazu überreden lassen und kann nach längerer Zeit der Mitgliedschaft nun endlich sagen, dass ES für mich NICHTS BRINGT! Natürlich ist das nur meine Meinung und beruht auf meiner Erfahrung. Diejenigen, die ich dort kannte, werde ich auch jetzt noch kennen. Freunde haben meine Nummer oder schauen bei Bedarf ins Telefonbuch.

Nachdem fast jeder seine eigene Gruppe hat, man kaum noch Anfragen ablehnen kann, ohne negative Folgen zu erwarten und ich auch nicht zu den Menschensammlern gehöre, war es Zeit, auch über meine eigenen Aktivitäten im Netz nachzudenken. Schließlich lebe ich u.a. von der Öffentlichkeit, davon, dass mich möglichst viele Menschen kennen, mögen, schätzen und engagieren.

Ich würde mich durchaus als Netzwerker bezeichnen und trotzdem mache ich nicht überall mit. Mir gefällt z.B. (noch) XING und SOL und auch die Community des TV fand ich gewinnbringend, als sie noch lief. Schade eigentlich, dass wir ausgerechnet in Trier so etwas nicht mehr auf die Reihe zu bekommen scheinen. Dabei wäre es mir lieber, jemanden aus meiner unmittelbaren Nähe kennen zu lernen, als dazu ins benachbarte Saarland reisen zu müssen. Denn bei mir bleibt es meist nicht lange bei virtuellen Begegnungen.

Bei WKW ging es anfangs darum, alte Bekannte wieder zu finden. Was ich fand, waren Bildchen. Die Wesen dahinter, sind mir trotzdem weiterhin verborgen geblieben. Die Kommunikation beschränkte sich auf wenige überflüssige Small-Talk-Floskeln, die man genauso per SMS oder IM hätte austauschen können. Zu einem realen Treffen ist es leider nie gekommen. Klar, dabei ist jeder selbst seines Glückes Schmied. Ich ziehe mich also einfach in meine Ecke zurück und werde beobachten, wie sich die Dinge entwickeln ..



So offen?

Die Medien sind verführerisch. Man hat sich schnell irgendwo eingeloggt, ein Profil angelegt und natürlich will man auch zeigen, wer man ist. Gerade Jugendliche machen es gerne der Masse nach und setzen nicht nur private Fotos ins Netz, sondern veröffentlichen ihr ganzes Leben. Der Job des Detektiven dürfte mit ein bisschen Online-Recherche schnell gemacht sein. Die Außenwirkung wird dabei völlig außer Acht gelassen. Schließlich will man cool sein und dazu gehören, denn die anderen machen es ja auch. Was kann also so schlimm daran sein?

Die heutigen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verbreitung kann man sinnvoll nutzen, was ich tagtäglich tue, oder eben gedankenlos missbrauchen. Offenheit schafft Vertrauen, aber auch dafür sollte es ein bestimmtes Maß geben. Das Netz lässt nichts los. Was mit sehr vielen Vorteilen verknüpft sein kann, wird zur Falle, wenn Unwissende sich geradezu prostituieren. Davor machen selbst Erwachsene nicht Halt. Communitys sind keine 007-Clubs. Fast jeder kann sich in der riesigen Datenbank bedienen. Wenn Sie wissen wollen, was Ihrem Schatz gefällt, dann googlen sie doch einfach mal nach seinem Kosenamen - aber den Fund behalten Sie besser für sich!



Wer kennt (schon) wen?

SO müsste der Name einer Community heißen. Vielleicht sollten wir in Zukunft genau umgekehrt vorgehen und mit denen Freundschaft schließen, die wir NICHT kennen? Denn seien wir doch mal ehrlich, mit denen, die wir wirklich kennen, haben wir auch im realen Leben stetig Kontakt. Von diesen Menschen kennen wir den Geburtstag, wissen, was sie bewegt und brauchen darüber hinaus nicht unbedingt noch eine virtuelle Verbindung.

Diejenigen, die da hunderte und tausende Bekannte zu haben scheinen, praktizieren das wohl schon so. Wenn ich jemanden in meine Kontakt- oder Freundesliste aufnehme, ob in XING oder den besagten Allerweltsnetzwerken, dann tue ich das, weil ich ihn entweder bereits persönlich kennen lernen konnte und mit dieser Person gerne in Kontakt bleiben würde oder weil sie mir schon seit längerer Zeit bekannt ist und ich sie auch auf der Straße grüßen würde.

Nun wollen wir uns ja eigentlich in Netzwerken mit anderen verbinden, um uns mit diesen austauschen zu können, voneinander zu lernen und neue Impulse zu bekommen. Doch in den meisten Fällen - wage ich zu behaupten - bleibt es bei einem Eintrag in der Liste, bei der Nummer. Wir sind glücklich, dass die Zahl unserer Kontakte wächst, doch es hat nicht wirklich etwas zu bedeuten. Es dient lediglich dazu, dass man eher auf Sie aufmerksam wird.

Aus Sicht eines Marketingexperten müssten wir alle ständig bemüht sein, andere aufzunehmen, anzuschreiben, anzuklicken etc. Je mehr Freunde, desto mehr andere Freunde, die wiederum ihre Freunde haben, desto mehr Aufmerksamkeit, Interesse, Aufträge. Aber hatte der Begriff “Freundschaft” nicht ursprünglich einmal eine andere Bedeutung? Machen wir hier alle lediglich Werbung für uns und geht es nur um Quantität oder war da noch etwas anderes ..?



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