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Spiel ohne Grenzen?

Seit jeher wollen sich Menschen entwickeln, ihre Grenzen kennen-, aber auch überschreiten lernen. Grenzen überwinden und damit das Ausmaß ihrer eigenen Fähigkeiten / Möglichkeiten erfahren, macht mutig und stark. Vielleicht hätten Sie sich noch vor einigen Jahren nicht zugetraut, einen Marathon mitzulaufen oder eine eigene Firma zu gründen, Verantwortung für eine Familie zu übernehmen etc. Was auch immer sie heute mit Leichtigkeit tun, das Ihnen früher unmöglich schien, es ist eine Erweiterung Ihres Spielraums, Ihres Selbst.

Diese Ausdehnung erfordert also Raum. So vielfältig unser Repertoire an Möglichkeiten ist und je mehr wir uns verzweigen und auch die kleinste Fläche noch ausfüllen und verdichten, wachsen wir. Jeder Einzelne von uns beansprucht diesen Raum für sich. Und dabei werden es immer mehr Menschen. Ich frage mich manchmal, ob uns das wirklich gut tut? Oder anders ausgedrückt:  Müssen wir wirklich jedes Potential nutzen? Aus allem etwas machen? Wohin soll es führen, wenn jeder immer mehr Raum für sich beansprucht? Ist denn genug Platz für alle da? Unsere Erde gibt uns natürliche Grenzen vor, doch wir konsumieren jetzt schon mehr, als wir zurückgewinnen können.

Wenn Sie etwas können, müssen Sie das noch lange nicht tun. Sie haben dann aber eine Wahl und das ist ein schönes Gefühl. Vielleicht hatten Sie einmal das Ziel, reich an materiellen Dingen zu sein. Wenn Sie sie haben, dann nimmt der Wert für sie ab, eben weil Sie sich nun alles Erdenkliche leisten können. Die seltenen Dinge haben einen hohen Preis, nicht weil sie so toll sind, sondern weil es einfach nicht genug für alle davon gibt. Wenn Sie ein Talent haben, das Sie von vielen anderen unterscheidet, dann macht Sie das zu jemand Besonderem, es geht dabei gar nicht so sehr darum, ob das, was Sie können, gebraucht wird oder für die Gesellschaft nützlich ist.

Wie viele Stars wollen wir noch erschaffen? Wie viele Preise verleihen? Wie viele Kämpfe gewinnen, wenn es bald nichts mehr gibt, für das es sich zu gewinnen lohnt? Sollten wir uns nicht besser im Zurücknehmen üben? Im Zufriedensein, mit dem, was unsere kleine Welt uns gibt? Die meisten Märkte sind gesättigt, Bedürfnisse werden künstlich geschaffen oder forciert, wir jammern auf hohem Niveau. Wachstum ohne Grenzen? Bis wir alle Chefs sind, jeder sein eigenes Auto fährt und in Garagen parkt, die für andere ein Dach über dem Kopf wären, nirgendwo mehr ein Baum steht? Selbstverwirklichung um jeden Preis? Ist das, das höchste Ziel unserer Wohlstandsgesellschaf? Und was kommt danach?



Erst wissen Sie, was Sie NICHT wollen ..

Ich nenne es den Pendel-Prozess:
Stellen Sie sich eine Situation vor, die sie als unangenehm empfinden und gerne verändern würden. Sicher haben Sie dazu gleich Bilder im Kopf oder es kommen Ihnen bestimmte Wörter in den Sinn. Nehmen Sie nun ein Blatt Papier und zeichnen Sie eine Linie entlang der Mitte. Auf die linke Seite schreiben Sie genau diese Wörter oder/und malen diese Bilder, alles was Ihnen dazu einfällt. Adjektive und Adverbien sind dazu bestens geeignet das WIE zu beschreiben, Substantive das WAS. Das können Situationen aus dem beruflichen Alltag, aus dem partnerschaftlichen Bereich (auch mit dem geschiedenen Partner) oder im Umgang mit Ihren Kindern usw. sein. Wichtig ist, dass Sie spontan diese Seite ausfüllen. Haben Sie schon angefangen? Legen Sie, vor dem Weiterlesen, los. Es dauert nur 10 Minuten ..

Gut! Nun falten Sie diesen Teil des Blattes nach hinten. Es sollte nur noch die unbeschriftete Seite des Papiers vor Ihnen auf dem Tisch liegen. Was kommt wohl auf diese Seite? Das erscheint Ihnen sicher einleuchtend. Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit Dinge zu verändern, eine Fee würde Ihnen alles ermöglichen, was Sie sich wünschen. Betrachten Sie nun noch einmal, vor Ihrem inneren Auge, diese zuvor beschriebene Situation. Wie würde sie dann aussehen? Was fällt Ihnen dazu ein? Schreiben Sie es auch auf und malen Sie, wie ein kleines Kind, Bilder. Tun Sie es einfach, ohne großes “wenn” und “aber”.. Fertig?

Klappen Sie nun die umgelegte Seite wieder zurück und schauen Sie sich das Kunstwerk an. Sie haben nun bildlich vor Augen, was Sie NICHT (mehr) WOLLEN und was Sie - Ihrer Meinung nach - wollen. Trifft es zu, dass Sie auf der rechten Seite genau das Gegenteil der linken Seite stehen oder gezeichnet haben? Ja? Mich würde es nicht wundern. Vielleicht sind Sie sogar schon dabei, genau das umzusetzen und stecken schon in den Startlöchern.  Sicher werden Sie, aufgrund mangelnder Kenntnisse über die andere Seite der Medaille, erst einmal das BEKANNTE VERMEIDEN wollen und zum Gegenteil tendieren. Beispiele:

  • “Ich will nicht mehr dick sein, sondern dünn.”
  • “Ich möchte keine feste Bindung mehr, sondern frei sein.”
  • Mein Chef würdigt meine Arbeit nicht, am besten werde ich mein eigener Chef.”
  • “Ich habe immer Schulden, ich möchte auch mal reich sein.”
  • “Ich muss immer so viel arbeiten, ich möchte auch mal nur den Haushalt machen müssen und auf die Kinder aufpassen.” usw.

Sie werden schnell bemerken, dass das andere EXTREM auch nicht viel besser ist, als das, das Sie schon kennen. Es wird andere Nachteile haben, die Sie vielleicht schon erahnen, aber eben NOCH NICHT FÜHLEN können. Und genau darum geht es, um GEFÜHLE! Man kann kein Gefühl vorweg nehmen. Wissen Sie, wie sich ein Krebspatient fühlt? Können Sie sich vorstellen, wie sich Eltern um ihr Kind sorgen oder wie es ist, ein Star zu sein, wenn Sie gesund, kinderlos und “normal” sind? Sich in andere einfühlen zu können ist eine Gabe und trotzdem immer nur eine bescheidene Annäherung an die individuelle Realität.

Wir tun also meistens unbewusst nichts anderes, als uns EINPENDELN. Indem wir uns erst einmal in die konträre Situation begeben, begreifen wir sie auch vollständig. Wir erkennen die Vor- und Nachteile der neuen Verhältnisse und bewegen uns wieder zurück. Dabei werden die Pendelausschläge immer kleiner. Da muss man nicht mehr Millionär werden, sondern es reicht schon ein regelmäßiges Einkommen und ein verändertes Geld-Ausgabe-Verhalten aus. Dieser PENDEL-PROZESS läuft wie von selbst ab. So wie die Schwerkraft bewirkt, dass das Pendel irgendwann stehen bleibt, so finden wir auch - irgendwann - unsere Balance. Nur wer seine Grenzen kennt, kann die Mitte finden.

Im Leben können Sie bestimmen, wie lange Sie auf der anderen Seite verweilen wollen. Das Pendel kann das nicht. Dabei könnte es vielleicht schon reichen, mal kurz in den gewünschten Zustand hineinzuschnuppern. Wenn wir z.B. krank werden, erinnern wir uns daran, dass wir doch nicht so unabhängig sind, wie wir dachten, fühlen uns hilflos und allein. Ein Praktikum in einem anderen Betrieb kann den Wunsch nach einem anderen Beruf schnell verblassen lassen. Auch der ROLLENTAUSCH ist ein probates Mittel, die andere Seite zu ERLEBEN. Vieles relativiert sich mit der Zeit und nicht immer sollte man eingreifen. Jeder Eingriff von außen ist auch eine Störung des Systems. Fragen Sie Eltern ..

Ein Coach kann Ihnen diese Erfahrungen auch nicht vorweg nehmen. Er kann Ihnen aber dabei helfen, das Pendel in Schwung zu bekommen.



Viel zu selten dankbar

Mir wurde in meinem Leben einmal sehr schmerzhaft bewusst, dass wir alles jederzeit verlieren können. Sie können sich in dem einen Augenblick noch sicher fühlen und durch eine einzige Botschaft fällt das ganze Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammen, je nachdem welche Karte man gezogen hat. Das war der Beginn meiner Entscheidung für Bewusstheit in meinem Leben. Das war die bewusste Entscheidung, unbewusst hat mich dieses Thema schon als Kind fasziniert. Ich bin wie ein Spürhund, der den Dingen auf den Grund gehen will. Warum fordern wir z.B. so viel von uns und unserer Umwelt? Warum sind wir eher unzufrieden, als zufrieden? Warum sagen wir so selten “Danke”?
Spätestens seit diesem einen bestimmten Tag habe ich gelernt dankbar zu sein. Dankbar für all die schönen Stunden, die ich bereits bisher mit meinen Liebsten erleben durfte. Wenn ich auch nicht immer einen konkreten Ansprechpartner vor mir stehen habe, dem ich meine Dankbarkeit zeigen oder sagen kann. Ich spreche sie meist direkt aus, das Universum (oder Gott) wird sie schon weiterleiten. “Ich habe viel, danke dafür!”



Alte Muster

Nicht nur in der Mode kommen alte Muster immer wieder zurück. Wenn wir etwas langfristig verändern wollen, dann gelingt uns das nur, wenn wir diese Veränderung auch wirklich wollen, wenn sie uns einen erkennbaren Nutzen bringt und/oder Spaß macht, ansonsten kehren wir nach einer Weile wieder zu unseren alten Verhaltensmustern zurück. Das ist mit Essgewohnheiten ebenso, wie mit anderen kleinen Schwächen, die uns Probleme machen. Ob uns etwas sinnvoll erscheint, beurteilen wir allerdings wiederum mit den uns bekannten, erlernten Mitteln und da wir auch so denken, wie wir immer dachten, kann sich nicht viel bewegen.

Ich habe mir z.B. vorgenommen, in Zukunft wieder mehr Sport zu treiben. Ich möchte es eigentlich nicht wirklich, aber es erscheint mir für meine Gesundheit und mein äußeres Erscheinungsbild wichtig. Dieses Wissen wiederum habe ich aus Büchern, Zeitschriften, den Medien und meiner Umwelt. In unserer Familie wurde so etwas kaum gelebt. Mein Vater war zwar seit ich denken kann Mitglied in einem Kegelclub, aber dabei war der sportliche Aspekt wohl eher nebensächlich. Meine Eltern sind für ihr Alter - Mutti wird heute 80 Jahre alt - sehr rüstig und gesund. Ihr Körpergewicht entspricht sicherlich dem bundesdeutschen Durchschnitt für Personen ihres Alters. Man kann also auch ohne Fitness- und Lauftreffs alt werden. Allerdings haben sie ihr ganzes, bisheriges Leben viel gearbeitet und waren schon dadurch ständig in Bewegung. Es liegt wohl eher an der Art der zu verrichtenden Arbeit, dass wir uns heute zusätzlich körperlich belasten müssen.

Wir treiben Sport, weil wir fit und gesund aussehen wollen und darüber auch erfolgreich nach außen wirken. Manche Menschen lieben Prestige-Sportarten, weil sie sich damit zu einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen oder nehmen wir die Extremler, die permanent ihre Grenzen ausloten müssen. Das alles hat nicht viel mit dem zu tun, was uns unser Arzt des Vertrauens raten würde. Aus gesundheitlicher Sicht braucht keiner von uns ein Abo in einem Fitnessclub.

Ich werde umdenken müssen, denn was mich damals u.a. motivierte, mich zweimal die Woche, eine Stunde am Stück zu quälen, ist heute nicht mehr von Bedeutung für mein Leben. Mit jedem Hanteldrücken hatte ich das Gefühl nicht nur physisch, sondern auch psychisch stärker zu werden. Heute fühle ich mich mental stark und die wenigen Grämmchen zu viel auf meinen Hüften, lassen meinen Body Mass Index immer noch im gesunden Bereich bleiben. Muskeln brauche ich nicht mehr zum Zeigen, sondern weil ich damit meinen Körper stütze. Woran ich mich aber gerne erinnere ist, dass es mir damals Spaß machte, in einer Gruppe, mit Musik, gemeinsam mit anderen, meinen Körper zu fordern. Schauen wir mal, ob dieses Motiv stark genug ist, mich heute vom Bildschirm weg zu locken .. ;-)



Problem erkannt, Problem gebannt?

Das Wort “gebannt” hat im deutschen Sprachgebrauch zwei Bedeutungen: “Bannen” im Sinne von Fesseln oder eine Gefahr beseitigen. Mir kommt es manchmal so vor, als erreichten wir durch die Erkenntnis, ein Problem zu haben, öfter das Gegenteil von dem, was wünschenswert wäre. Wir bannen das Problem in unserem Geist zu etwas Unveränderlichem. Wir fesseln es, statt es loszulassen.  Es manifestiert sich in unseren Köpfen, weil wir uns dauernd damit beschäftigen und gar nicht mehr frei sein können. Wenn Ihnen morgen ein Arzt sagt, dass Sie wahrscheinlich sehr krank sind, dann werden Sie sich nur noch mit diesem Thema beschäftigen. Sie werden Bücher über Symptome, Krankheitsverlauf und mögliche Ausgänge wälzen. Auf diese Weise erhalten Sie das Problem, nicht die Lösung! Wenn es wirklich ein Problem gibt, dann wird es auch noch da sein, wenn Sie nicht darüber grübeln. Womit Sie sich allerdings gedanklich beschäftigen sollten, ist die Frage, was Sie wirklich wollen! Schließlich haben wir nicht ohne Grund Probleme. Sie verschaffen uns auch Vorteile. So kann man sich z.B. prima hinter einer Krankheit oder schlimmen Kindheit verstecken. Man zieht Aufmerksamkeit auf sich und bekommt Zeit und Liebe geschenkt, die man ohne Problem vielleicht nicht bekommen hätte. Wäre es nicht einfacher, würden wir unserer Bedürfnisse bewusst und sie rechtzeitig artikulieren?



Keine Last mit der Last

Die Natur schenkte mir ein Hohlkreuz und Skoliose. Meine Schlafunterlage ist sicher nicht gerade die Empfehlenswerteste. Seit ich selbstständig und alleinerziehend bin, hat sich mein Arbeitspensum gegenüber früher verdoppelt. Existenzsicherung und die Fülle an Aufgaben, der selbstgemachte Druck, könnten für manch einen ein Kreuz fürs Kreuz sein. Ohne Stütze wäre diese Last wohl eher schwer zu tragen. Meinem Rücken geht es gut, weil ich - nicht nur ihn - stärke!

Warten Sie nicht ab, bis die Last Sie unbeweglich werden lässt, sondern beugen Sie vor! Wenn Sie nicht alles auf einmal schleppen, sondern verteilen, ist der erste Schritt bereits gemacht. Eine aufrechte Haltung und Muskeln, die Ihr Skelett stützen sind ebenso wichtig, wie die richtige (Ein)stellung. Körper und Geist gehören zusammen. Was Sie (er)tragen wollen, bestimmen SIE, niemand sonst.

Es gibt nicht nur Turnübungen, die Ihren Rücken stärken, Massagen und gute Matratzen. Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die Last mit der Last erfahren haben. Was für andere schwer ist, kann für Sie leicht sein. Wenn Sie beginnen darüber anders zu denken, wird es sich bald auch anders anfühlen. Heben Sie mit Leichtigkeit, indem Sie in die Knie gehen, wechseln Sie öfter die Position und gönnen Sie sich einen Ausgleich zur Anspannung.



Fühle ich so, weil ich so denke oder denke ich so, weil ich so fühle?

Wenn Gedanken Gefühle beeinflussen können, dann stellt sich mir die Frage, ob meine spontanen Empfindungen - wie auch immer sie sein mögen - ebenfalls nur das Resultat vergangener Dialoge mit mir selbst sind? Oder anders ausgedrückt: Was war zuerst, der Gedanke oder das Gefühl?

Nehmen wir einmal an,  Sie hätten am folgenden Tag eine wichtige Sitzung/Präsentation. Sie haben gerade etwas gegessen und Ihnen ist gar nicht wohl in der Magengegend. Ihr Bauch ist angespannt und Ihnen ist speiübel. Vielleicht wird Ihnen gerade gar nicht bewusst, dass es auch mit dem bevorstehenden Ereignis zu tun haben könnte, denn Sie neigen seit jeher zu einem empfindlichen Magen. Sie werfen sich also einige Tabletten ein und gut ist.
Vor der nächsten Herausforderung treten die gleichen Symptome wieder auf, doch dieses Mal treffen Sie auf einen alten Freund, der Sie darauf bringt, dass  Sie das eigentlich immer schon hatten. Immer wenn es kniffelig wird, schreit Ihr Körper nach Hilfe. Warum fragen Sie nicht einfach danach und teilen Ihre Ängste und Sorgen mit anderen? Würden Sie damit in Ihren Augen Schwäche zeigen? Wurde Ihnen das zuhause auch so vorgelebt, dass man in diesem Leben ein Verlierer ist, wenn man sich situativ überfordert fühlt? Was glauben Sie noch alles, dass Sie es vorziehen, Ihre Emotionen lieber zu unterdrücken bzw. hinunterzuschlucken, als Sie an die Oberfläche kommen zu lassen? Was fühlen Sie eigentlich wirklich?
Vielleicht machen Sie sich ja nun die Mühe, der Sache auf den Grund zu gehen. Es könnte selbstverständlich alles ganz anders sein, doch wie auch immer es bei Ihnen aussieht, Sie können es nur erfahren, wenn Sie es zulassen und sich bewusst machen. Wenn Sie wüssten, warum sich Ihr Magen jedesmal heftigst zusammenzieht und irgendwas scheinbar zum Kotzen findet, könnten Sie sich das nächste Mal sagen, dass es sozusagen ein Fehlalarm ist. Sie könnten sich selbst beruhigen, weil Sie ja wissen, dass es dieselbe kindliche Angst vor Veränderung und Versagen ist.  In dem Maß wie Sie dann darüber denken, lassen auch Ihre Symptome nach, vorausgesetzt organische Ursachen können ausgeschlossen werden.

Was wir aus einer Körperwahrnehmung machen, d.h. wie wir sie bewerten und interpretieren, hängt also auch davon ab, wie wir das in der Vergangenheit getan haben, wie andere, bedeutende Menschen unseres engeren Umfeldes darüber denken oder dachten und ob wir diese Erkenntnis für unser zukünftiges Leben wichtig erachten oder nicht. Das Gefühl ändert sich durch unser Bewusstsein und trotzdem kann ich auch etwas empfinden, ohne dass es mir bewusst ist, was genau es ist oder woher es kommt. Mir reicht es zu wissen, dass ich auch an meinen Gefühlen etwas ändern kann und wie und wünsche Ihnen und mir dass es uns allen dabei gut geht.



“Hallo Körper..?”

Es klingt vielleicht ein bisschen sonderbar, doch es könnte mit eine Ursache dafür darstellen, dass sich Menschen mit viel Freizeit entweder sehr häufig glücklich oder total unglücklich fühlen. Es hat mit Selbst-Wahrnehmung zu tun, mit der bewussten Aufmerksamkeit für unsere Körpersignale. Wann haben Sie sich das letzte Mal gespürt? Wann haben Sie sich die Zeit genommen, in sich hinein zu lauschen. “Wie geht es?”, ist eine Frage, die wir eher anderen stellen würden, als uns selbst, denn wir glauben selbstverständlich die Antwort zu kennen. Doch wer täglich einfach nur “funktioniert”, von einem Termin zum nächsten rast, kaum mehr Zeit für Muße hat und darüber hinaus auch kaum enge Bindungen, der erfährt es irgendwann am eigenen Leib, was es heißt, nicht “gehört” zu haben. Ihr Körper spricht eigentlich eine eindeutige Sprache: Er findet manche Dinge - wörtlich genommen - “zum Kotzen” oder hat die “Nase voll”, es bedrückt ihn etwas oder er wehrt sich gegen äußere Einflüsse, die ihm nicht gut tun. Das Gespür für sich selbst, scheint der modernen Gesellschaft langsam abhanden zu kommen. Alles um uns herum ist laut, lauter, schrill, schriller, aufdringlich.

Sie müssen nicht gleich zum meditierenden Mönch werden, um inne zu halten. Es bedarf auch keiner Wunderkerzen, Räucherstäbchen oder Guru-Bücher. Seine Sinne zu schärfen, kann man lernen. Kleine Kinder lässt man mit nackten Füßen über Blätter und Korken gehen, lässt sie erfahren, wie es kitzelt, wenn man ihnen eine Feder um die Nase streicht und was erfahren wir noch als Erwachsene? Wir glauben alles zu wissen und zu kennen und nehmen uns damit die große Chance des Erlebens. Wir suchen den großen “Kick”, weil wir nicht einmal mehr im Stande sind, die kleinen Empfindungen zu genießen. Lassen Sie sich doch wieder einmal genüsslich von Ihrem Partner streicheln oder gönnen Sie sich besonders kuschelige Wäsche. Schließen Sie Ihre Augen und nehmen so, alles um Sie herum, viel bewusster wahr. Schalten Sie das Radio aus und lauschen Sie in sich hinein ..



Verschüttete Potentiale

Sie sehen Ihre Kinder vor dem Spiegel tanzen, wie sonst nur im Musical? Sie bemerken auch bei sich eine künstlerische Ader, wenn Sie Fuß tippend der handgemachten Musik im Jazz-Club lauschen? Sie schauen in letzter Zeit eher nach einer Gitarre, als nach Handys in Schaufenstern? Leben ist Kunst und Kunst ist Leben. Lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf und lernen Sie Ihr Instrument zu bedienen.
Ob Sie dazu Ihre Finger Seiten zupfen lassen, auf Tasten drücken, Luft durch schmale Ritzen pressen oder einfach auf irgendetwas trommeln wollen. Sie sollten es tun! Wecken Sie den Künstler in sich. Er schläft vielleicht schon seit Jahren, doch es ist noch viel Zeit zu lernen, wie man seiner Stimmung eine Stimme gibt.
Man kann es mit anderen tun oder allein im stillen Kämmerchen. Man kann es im Studio aufnehmen oder jeden Laut einfach vergehen lassen. Es tut der Seele gut und auch Ihrem Kopf, weil es beide miteinander vereint. Probieren Sie es aus, Sie werden eine tiefe Zufriedenheit spüren.



Work-Life-Balance ist mehr

Viele Menschen denken, dass es dabei nur um Zeitmanagement geht oder sie glauben, dass man ohnehin nicht alles im Leben haben kann und nehmen schon im Voraus  Einbußen, Niederlagen oder Misserfolge in Kauf, sie planen sie sogar von Anfang an ein. Diesen “Plan B” - für den Fall, dass etwas ja doch schief gehen könnte - habe ich auch fast immer, aber ich gehe nicht davon aus, dass ich ihn wirklich brauchen werde! Den Regenschirm mitzunehmen, weil überzeugende Fakten dafür sprechen, ist realistisch, ihn immer dabei zu haben, pessimistisch, und nie, dann wohl eher eine gleichgültige Haltung sich selbst gegenüber. Selbstverständlich kommt es auch darauf an, um welchen Schutz es geht und welche Auswirkungen ein Versagen hätte.

Das Abwägen zwischen dem, was ich machen müsste, machen sollte, gerne machen würde und dem, was ich dann umsetze, ist auch eine Form der Balance.
Ich habe mir z.B. mein Portfolio an Tätigkeiten so zusammen gestelllt, dass ich von allem etwas habe, was mich glücklich macht und, das meinen Fähigkeiten entspricht. Darin enthalten sind Arbeiten mit Verantwortung, einer Menge Freiheit, bin mal mein eigener Chef und habe auch einen. Es sind kreative Tätigkeiten und eher bürokratisch stupide Verrichtungen. Es gibt Zeiten, da muss ich da sein, Termine einhalten etc. und andere, da kann ich da sein, meistens will ich es, was am allerbesten ist.

Es könnte das alles vielleicht auch in einem Berufsbild geben. Das möchte ich nicht ausschließen. Doch dann wäre ich langfristig gebunden und das entspricht nicht meiner Natur. Es soll auch nicht bedeuten, dass ich es gut fände, wenn alle Menschen so leben wollten. Es soll lediglich Mut machen, einen Lebensstil zu entwickeln, der dem eigenen Wesen entspricht.