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Archiv der Kategorie Denken

“Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse”

Das sagte schon der Fuchs zum kleinen Prinzen. Wir sprechen nicht nur mit anderen, sondern auch permanent mit uns selbst. Das nennt man dann Denken. Es ist ein lautloser Dialog zwischen dem - wenn wir Freud glauben - ES, ÜBER-ICH, ICH und dem ICH-IDEAL. Wenn ich bloß immer wüsste, was mein Gegenüber gerade denkt, bzw. welche Diskussionen im Gehirn meines Gegenübers gerade geführt werden, dann wäre mir und dem anderen viel geholfen.

Was er dann schließlich sagt oder schreibt, ist das Ergebnis eines Kompromisses, den unsere Persönlichkeitsanteile miteinander finden. So groß unsere Lust auf etwas auch gerade ist, vielleicht verbietet MAN ihr nicht nachzugeben und er oder sie begnügt sich stattdessen mit einer reduzierten Form der Bedürfnisbefriedigung. Es ist also schon eine Herausforderung, die richtigen Worte zu finden, wenn ich von anderen verstanden werden will und es macht die Sache noch komplizierter, wenn man mich dabei weder sieht, noch hört.

Wie Sie eine Aussage interpretieren wird auch von Ihren bisherigen Erfahrungen beeinflusst. Machen Sie den Test und zeigen Sie den Inhalt einer SMS: “Ich komme 10 Minuten später” einer Freundin, einem Bekannten und einem Fremden. Es ist interessant, wie unterschiedlich er verstanden werden kann.

In Zeiten, in denen immer mehr gesimst, gechattet, getwittert und scheinbar alles in eine Kurzform gebracht werden muss, wundert mich nicht, dass wir uns immer weniger verstehen. Sie hören nicht den Klang der Stimme, ob der Körper Ihnen zugewandt ist, sehen nicht das Funkeln in den Augen und riechen nicht das Parfum, das er oder sie extra wegen Ihnen aufgesprüht hat. Wäre es da nicht sinnvoller, Sie würden sich persönlich treffen, als nur auf irgendwelche Tasten zu tippen - auch wenn das mittlerweile immer leichter geht?

Der Fuchs sagt zum kleinen Prinzen: “Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in Geschäften.” (”Der kleine Prinz”, S.50). Wenn alles schnell fertig sein muss, bevor wir es erfahren, dann fehlt uns einfach Geduld.



Freu Dich auf die nächste Krise!

Warum soll ich mich auf eine Krise freuen?
Als ich das Fußballspiel: Deutschland-Ghana sah und mit welcher Überheblichkeit wir nach dem 4:0 gegen Australien davon überzeugt waren, Weltmeister zu werden, war mir klar, dass das deutsche Fußballteam es schwer haben wird, diese Leistung aufrecht zu erhalten.  Und wer weiß, welchen Verlauf das Spiel gegen England genommen hätte , wenn es zum Ausgleich gekommen wäre ..

Wenn wir uns relativ sicher fühlen und den Sieg schon innerlich abgehakt haben, dann sind wir auch nicht mehr so engagiert und motiviert bei der Sache. Schließlich müssen wir alle mit unseren Ressourcen sparsam umgehen. Die Erfolgswelle trägt eine Zeit lang, wird dann auch wieder flacher, bis zur nächsten. In der Regel warten wir darauf, dass sie auf uns überschwappt, ergreift und wie selbstverständlich weiter bringt. Doch auch die kurzen, ruhigen Phasen dazwischen haben ihren Reiz.  Dann, wenn es nichts zu lachen gibt, kommen wir wieder auf den Boden der Tatsachen.

Auf Zeiten, in denen ich mich klein, schwach und ohnmächtig fühlte, folgten meist die schönsten Momente meines bisherigen Lebens. In dieser Phase konnte ich bitten, war dankbar für jede Hilfe und es schien auch den Personen in meinem Umfeld eine aufrichtige Freude zu machen, mich zu unterstützen. Einerseits ist der Sieg ein Gewinn, doch Krisen und Niederlagen sind gewinnbringend! Wer bei Null startet, hat nach oben alles offen. Was kann er schon verlieren? Nach einer solchen Phase kam bei mir bisher immer etwas Besseres als vorher.

Wenn wir es schaffen, eine Krise als einen Teil unseres Lebens anzunehmen, dankbar dafür sind, dass wir wieder Anlass zur Reflexion haben, dann verlieren wir nur den Schrecken und können ganz relaxt auf die nächste tragende Erfolgswelle warten ..



Alles begreifbar!

Man sagt: Mathematiker sind faule Leute, ich behaupte es auch gerne, weil es für mich viel weniger Arbeit ist, einige Regeln zu behalten, als tausende Vokabeln. Für mich ist Rechnen ein Spiel, in dem Zahlen die Figuren sind, die ich bewege.

So kann man z.B. bei einem klassischen Brett-Spiel wunderbar das System der Ganzen Zahlen nachvollziehen: fünf Schritte vor und zwei zurück, ist dasselbe, als wäre man nur drei nach vorne gegangen. Das versteht jedes Kind auf Anhieb.
Wenn Sie einen Schüler fragen, wieviel vier mal einhalb ist, dann fängt er an zu überlegen und wird eine Weile brauchen. Fragen Sie ihn aber danach, wieviel Pizza das ist, kommt die Antwort sofort. Die leckeren Teigfladen kennt er aus seinem Leben, in der Regel mögen Kinder dieses Essen, haben also einen positiven Bezug dazu, und sie können es besser begreifen, weil es greifbar ist!
Ein Wendepunkt in der Analysis ist dort, wo sich die Krümmung ändert: von links- nach rechtsgekrümmt und umgekehrt. Wer Auto fährt, kann sich das in der Regel gut vorstellen, weil er aus eigener Erfahrung weiß, wann er das Lenkrad anders einschlägt. Für jemanden, der keinen Führerschein hat, ist das schon schwieriger. Den setze ich eben aufs Fahrrad, wenn es sein muss.
Das Rechnen mit Tassen und Tellerchen oder Stühlen als Platzhaltern ist wesentlich aufwändiger als die Abstraktion und doch macht es erst den Sinn dieser ersichtlich! Eine Variable steht für irgendeine Zahl, ob sie nun x oder y heißt oder Lieschen Müller.

Für mich kommt im heutigen Mathematik-Unterricht genau dieser Praxisbezug zu kurz. Die Schüler wissen nicht, was sie da überhaupt tun und wozu. Wer darüber hinaus zu denjenigen Personen gehört, die Dinge ausprobieren müssen, um sie zu verstehen, der hat es eindeutig schwerer, als andere.

Einer meiner Favoriten in Sachen Lehren und Lernen, ist Prof. Dr. Werner Stangl vom Institut für Pädagogik und Psychologie an der Johannes Kepler Universität Linz. Seine Arbeitsblätter und Lerntipps sind nicht nur hilfreich, sondern auch leicht umsetzbar. Wer Lust auf einen kleinen Test hat, welcher Lerntyp er ist, der folge diesem Link: HALB-Test



Was Sprache spricht

‘”Nominalisierungen”, “Modaloperatoren der Möglichkeit”, “Kausalitäten”, sind Begriffe aus der Welt der Sprache, doch wer weiß schon so genau, was sie bedeuten?

Nominalisierung” beschreibt die Bildung von Substantiven aus anderen Wortarten. Wikipedia meint dazu: “… Durch die Möglichkeit der Substantivierung wird die Darstellung und Aufnahme von Sachverhalten beeinflusst. … Substantivierung dient unter anderem dazu, ein Wort objektiver erscheinen zu lassen, so dass es unabhängig von einer konkreten handelnden Person erscheint.”
Nomen, wie “Wachstum” und “Erfolg” lassen Raum für eigene Interpretationen von Prozessen, die damit verbunden sein könnten, sie aber nicht wirklich beschreiben. Wir lesen sie auf Werbeplakaten und Politiker benutzen sie gerne in ihren Reden. Sie gehören - genauso wie Bewertungen - zu den “Tilgungen“, weil wesentliche Informationen fehlen (”Wer sagt das?”) oder unkonkret sind (”Was ist die genaue Bedeutung?”).

Auch die so genannten: “Modaloperatoren der Möglichkeit und der Notwendigkeit” lassen uns glauben, es sei irgendetwas generell so. Neben der “Verallgemeinerung” (”Ohne Fleiß keinen Preis”), schwingt entweder ein: “Ich könnte..” oder “Ich müsste..” mit. Von meinen Schülern kenne ich z.B. die Aussagen: “Ich bin dumm, ich lerne das nie!” oder “Ich muss mehr lernen, sonst bleibe ich sitzen.” nur zu gut. Diese Sätze werden selten hinterfragt.

Kausalitäten” stellen falsche Verknüpfungen zwischen Ursache und Wirkung her. Wenn Ihnen jemand sagt, dass SIE ihn wütend machen, dann liegt das nicht an Ihrer Person, sondern daran, dass Sie etwas beim anderen auslösen. Das wiederum ist auf eine Erfahrung des Senders der Botschaft zurückzuführen und könnte mit: “Womit bewirke ich das?” erfragt werden.

Was Milton Erickson - einer der innovativsten Psychotherapeuten seiner Zeit - erkannte, wird auch heute nicht nur in der Werbung umgesetzt. Man kann diese Kenntnisse dazu nutzen, sie bei anderen zu entlarven, zu entwirren und in Frage zu stellen. Wenn man Sprachmuster erkennt und sie anders benutzt, verändert sich dadurch auch die Reaktionsweise unserer Umwelt. In unserem Gehirn werden - bei konsequenter Anwendung - neuronale Ensembles umstrukturiert und auch wir verändern uns.



Erst wissen Sie, was Sie NICHT wollen ..

Ich nenne es den Pendel-Prozess:
Stellen Sie sich eine Situation vor, die sie als unangenehm empfinden und gerne verändern würden. Sicher haben Sie dazu gleich Bilder im Kopf oder es kommen Ihnen bestimmte Wörter in den Sinn. Nehmen Sie nun ein Blatt Papier und zeichnen Sie eine Linie entlang der Mitte. Auf die linke Seite schreiben Sie genau diese Wörter oder/und malen diese Bilder, alles was Ihnen dazu einfällt. Adjektive und Adverbien sind dazu bestens geeignet das WIE zu beschreiben, Substantive das WAS. Das können Situationen aus dem beruflichen Alltag, aus dem partnerschaftlichen Bereich (auch mit dem geschiedenen Partner) oder im Umgang mit Ihren Kindern usw. sein. Wichtig ist, dass Sie spontan diese Seite ausfüllen. Haben Sie schon angefangen? Legen Sie, vor dem Weiterlesen, los. Es dauert nur 10 Minuten ..

Gut! Nun falten Sie diesen Teil des Blattes nach hinten. Es sollte nur noch die unbeschriftete Seite des Papiers vor Ihnen auf dem Tisch liegen. Was kommt wohl auf diese Seite? Das erscheint Ihnen sicher einleuchtend. Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit Dinge zu verändern, eine Fee würde Ihnen alles ermöglichen, was Sie sich wünschen. Betrachten Sie nun noch einmal, vor Ihrem inneren Auge, diese zuvor beschriebene Situation. Wie würde sie dann aussehen? Was fällt Ihnen dazu ein? Schreiben Sie es auch auf und malen Sie, wie ein kleines Kind, Bilder. Tun Sie es einfach, ohne großes “wenn” und “aber”.. Fertig?

Klappen Sie nun die umgelegte Seite wieder zurück und schauen Sie sich das Kunstwerk an. Sie haben nun bildlich vor Augen, was Sie NICHT (mehr) WOLLEN und was Sie - Ihrer Meinung nach - wollen. Trifft es zu, dass Sie auf der rechten Seite genau das Gegenteil der linken Seite stehen oder gezeichnet haben? Ja? Mich würde es nicht wundern. Vielleicht sind Sie sogar schon dabei, genau das umzusetzen und stecken schon in den Startlöchern.  Sicher werden Sie, aufgrund mangelnder Kenntnisse über die andere Seite der Medaille, erst einmal das BEKANNTE VERMEIDEN wollen und zum Gegenteil tendieren. Beispiele:

  • “Ich will nicht mehr dick sein, sondern dünn.”
  • “Ich möchte keine feste Bindung mehr, sondern frei sein.”
  • Mein Chef würdigt meine Arbeit nicht, am besten werde ich mein eigener Chef.”
  • “Ich habe immer Schulden, ich möchte auch mal reich sein.”
  • “Ich muss immer so viel arbeiten, ich möchte auch mal nur den Haushalt machen müssen und auf die Kinder aufpassen.” usw.

Sie werden schnell bemerken, dass das andere EXTREM auch nicht viel besser ist, als das, das Sie schon kennen. Es wird andere Nachteile haben, die Sie vielleicht schon erahnen, aber eben NOCH NICHT FÜHLEN können. Und genau darum geht es, um GEFÜHLE! Man kann kein Gefühl vorweg nehmen. Wissen Sie, wie sich ein Krebspatient fühlt? Können Sie sich vorstellen, wie sich Eltern um ihr Kind sorgen oder wie es ist, ein Star zu sein, wenn Sie gesund, kinderlos und “normal” sind? Sich in andere einfühlen zu können ist eine Gabe und trotzdem immer nur eine bescheidene Annäherung an die individuelle Realität.

Wir tun also meistens unbewusst nichts anderes, als uns EINPENDELN. Indem wir uns erst einmal in die konträre Situation begeben, begreifen wir sie auch vollständig. Wir erkennen die Vor- und Nachteile der neuen Verhältnisse und bewegen uns wieder zurück. Dabei werden die Pendelausschläge immer kleiner. Da muss man nicht mehr Millionär werden, sondern es reicht schon ein regelmäßiges Einkommen und ein verändertes Geld-Ausgabe-Verhalten aus. Dieser PENDEL-PROZESS läuft wie von selbst ab. So wie die Schwerkraft bewirkt, dass das Pendel irgendwann stehen bleibt, so finden wir auch - irgendwann - unsere Balance. Nur wer seine Grenzen kennt, kann die Mitte finden.

Im Leben können Sie bestimmen, wie lange Sie auf der anderen Seite verweilen wollen. Das Pendel kann das nicht. Dabei könnte es vielleicht schon reichen, mal kurz in den gewünschten Zustand hineinzuschnuppern. Wenn wir z.B. krank werden, erinnern wir uns daran, dass wir doch nicht so unabhängig sind, wie wir dachten, fühlen uns hilflos und allein. Ein Praktikum in einem anderen Betrieb kann den Wunsch nach einem anderen Beruf schnell verblassen lassen. Auch der ROLLENTAUSCH ist ein probates Mittel, die andere Seite zu ERLEBEN. Vieles relativiert sich mit der Zeit und nicht immer sollte man eingreifen. Jeder Eingriff von außen ist auch eine Störung des Systems. Fragen Sie Eltern ..

Ein Coach kann Ihnen diese Erfahrungen auch nicht vorweg nehmen. Er kann Ihnen aber dabei helfen, das Pendel in Schwung zu bekommen.



Prüfung: Ein Term mit vielen Variablen (Teil 1)

Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Prüfungssituation? Ihr Schulabschluss ist Jahrzehnte her, der “Lappen” würde vielen wieder durch die Lappen gehen, wenn sie die Führerscheinprüfung wiederholen müssten. Bis auf die Akkordarbeiter weiß wohl kaum noch einer von uns Erwachsenen was es heißt, unter Zeitdruck und ständiger Aufsicht gute Leistung zu erbringen. Doch genau DAS erwarten wir von unseren Kindern. SIE sollen all das können und erreichen, was WIR NICHT schaff(t)en.

Dabei ist das Gelingen einer schriftlichen Prüfung - z.B. eine Klassenarbeit in Mathematik - ein Term mit vielen Unbekannten. Es fängt bereits mit der situativen, mentalen Kondition an. Seien Sie noch einmal ein Kind und erinnern Sie sich an damals, als Sie schon mit einem mulmigen Gefühl in die Schule gingen. Wissen Sie noch wie Sie sich fühlten, wenn Sie das DIN A4-Blatt plötzlich vor Augen hatten? Überall Text, überall Fragezeichen, überall Lücken, die SIE füllen sollten, während die Uhr tickte! Nicht nur der Puls geriet ins Schleudern, man hatte förmlich das Gefühl, alle Ressourcen seien überall, bloß nicht dort, wo sie gebraucht werden, im Kopf und in den Händen.

Schauen Sie sich doch bitte die nächste Arbeit Ihrer Tochter/Sohn genauer an: Manche Lehrer verstehen es dermaßen gut, die Kids mit vielen unbekannten Zeichen und Begriffen zu verunsichern. SIE wissen sicher was ein Darlehen ist, ein(e) Dreizehnjährige(r) kommt eher selten in die Situation, einen Hausbau zu finanzieren. Wenn Sie nach Sichten der ersten Fragestellung schon nicht wissen wie es geht, werden Sie glauben, alles andere müsse noch schlimmer sein und schon ist die Blockade da! Da können Sie im Vorfeld noch so viel geübt haben. Bloß die “Coolen” machen weiter. Einen kühlen Kopf behalten und auf das Wesentliche konzentrieren, ist eine Fähigkeit, die nichts mit dem Stoff selbst zu tun hat. Das hat man irgendwann gelernt oder eben (noch) nicht. Und das ist leider noch nicht alles. Mehr dazu im zweiten Teil ..



Viel zu selten dankbar

Mir wurde in meinem Leben einmal sehr schmerzhaft bewusst, dass wir alles jederzeit verlieren können. Sie können sich in dem einen Augenblick noch sicher fühlen und durch eine einzige Botschaft fällt das ganze Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammen, je nachdem welche Karte man gezogen hat. Das war der Beginn meiner Entscheidung für Bewusstheit in meinem Leben. Das war die bewusste Entscheidung, unbewusst hat mich dieses Thema schon als Kind fasziniert. Ich bin wie ein Spürhund, der den Dingen auf den Grund gehen will. Warum fordern wir z.B. so viel von uns und unserer Umwelt? Warum sind wir eher unzufrieden, als zufrieden? Warum sagen wir so selten “Danke”?
Spätestens seit diesem einen bestimmten Tag habe ich gelernt dankbar zu sein. Dankbar für all die schönen Stunden, die ich bereits bisher mit meinen Liebsten erleben durfte. Wenn ich auch nicht immer einen konkreten Ansprechpartner vor mir stehen habe, dem ich meine Dankbarkeit zeigen oder sagen kann. Ich spreche sie meist direkt aus, das Universum (oder Gott) wird sie schon weiterleiten. “Ich habe viel, danke dafür!”



Alte Muster

Nicht nur in der Mode kommen alte Muster immer wieder zurück. Wenn wir etwas langfristig verändern wollen, dann gelingt uns das nur, wenn wir diese Veränderung auch wirklich wollen, wenn sie uns einen erkennbaren Nutzen bringt und/oder Spaß macht, ansonsten kehren wir nach einer Weile wieder zu unseren alten Verhaltensmustern zurück. Das ist mit Essgewohnheiten ebenso, wie mit anderen kleinen Schwächen, die uns Probleme machen. Ob uns etwas sinnvoll erscheint, beurteilen wir allerdings wiederum mit den uns bekannten, erlernten Mitteln und da wir auch so denken, wie wir immer dachten, kann sich nicht viel bewegen.

Ich habe mir z.B. vorgenommen, in Zukunft wieder mehr Sport zu treiben. Ich möchte es eigentlich nicht wirklich, aber es erscheint mir für meine Gesundheit und mein äußeres Erscheinungsbild wichtig. Dieses Wissen wiederum habe ich aus Büchern, Zeitschriften, den Medien und meiner Umwelt. In unserer Familie wurde so etwas kaum gelebt. Mein Vater war zwar seit ich denken kann Mitglied in einem Kegelclub, aber dabei war der sportliche Aspekt wohl eher nebensächlich. Meine Eltern sind für ihr Alter - Mutti wird heute 80 Jahre alt - sehr rüstig und gesund. Ihr Körpergewicht entspricht sicherlich dem bundesdeutschen Durchschnitt für Personen ihres Alters. Man kann also auch ohne Fitness- und Lauftreffs alt werden. Allerdings haben sie ihr ganzes, bisheriges Leben viel gearbeitet und waren schon dadurch ständig in Bewegung. Es liegt wohl eher an der Art der zu verrichtenden Arbeit, dass wir uns heute zusätzlich körperlich belasten müssen.

Wir treiben Sport, weil wir fit und gesund aussehen wollen und darüber auch erfolgreich nach außen wirken. Manche Menschen lieben Prestige-Sportarten, weil sie sich damit zu einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen oder nehmen wir die Extremler, die permanent ihre Grenzen ausloten müssen. Das alles hat nicht viel mit dem zu tun, was uns unser Arzt des Vertrauens raten würde. Aus gesundheitlicher Sicht braucht keiner von uns ein Abo in einem Fitnessclub.

Ich werde umdenken müssen, denn was mich damals u.a. motivierte, mich zweimal die Woche, eine Stunde am Stück zu quälen, ist heute nicht mehr von Bedeutung für mein Leben. Mit jedem Hanteldrücken hatte ich das Gefühl nicht nur physisch, sondern auch psychisch stärker zu werden. Heute fühle ich mich mental stark und die wenigen Grämmchen zu viel auf meinen Hüften, lassen meinen Body Mass Index immer noch im gesunden Bereich bleiben. Muskeln brauche ich nicht mehr zum Zeigen, sondern weil ich damit meinen Körper stütze. Woran ich mich aber gerne erinnere ist, dass es mir damals Spaß machte, in einer Gruppe, mit Musik, gemeinsam mit anderen, meinen Körper zu fordern. Schauen wir mal, ob dieses Motiv stark genug ist, mich heute vom Bildschirm weg zu locken .. ;-)



Deep Gray

Manchmal gibt es Tage in meinem Leben, da erscheint es mir unmöglich, bloß einen positiven Gedanken zu finden. Es fängt mit einer Kleinigkeit an, die nicht gelingen will, darauf folgt dann noch ein Missgeschick und ich stoße ständig an meine Grenzen, physisch wie psychisch. Wenn ich so drauf bin, kann ich meine Schüler gut verstehen, dann spüre ich am eigenen Leib wie sich das anfühlt, etwas nicht zu können und davon überzeugt zu sein, es nie und nimmer können zu wollen. Seine Grenzen zu erfahren ist bitter, vor allem, wenn man - wie ich - glaubt, so viel zu wissen, dass es solche Tage eigentlich nicht geben dürfte. Aber das wäre, als wolle man die Natur beherrschen.
Dabei ändert sich an diesem Tag lediglich meine Wahrnehmung. Genau genommen, sehe ich dann ALLES in einem dunklen GRAU. Ich bin von negativen Gedanken infiziert und schaue auf alles durch eine Art Sonnenbrille. Wenn ich am nächsten Morgen ausgeschlafen aufstehe, fassungslos, ist alles halb so schlimm. Ich denke, dieser Tag erfüllt mir unbewusst mehrere Bedürfnisse: nach Ruhe, Kritik und Egoismus. Als positiv eingestellter Mensch bin ich mir bewusst, wie wichtig meine Gedanken für den Verlauf meines Lebens sind. Wenn es danach ginge, würde ich alles andere ständig ausblenden, aber das wäre eben auch nicht gut, weil unrealistisch.
So komme ich letztlich doch immer wieder auf den Boden und kann andere Menschen wieder besser verstehen. Man sollte mir allerdings an diesen Tagen besser das Handy wegnehmen … ;-)



Problem erkannt, Problem gebannt?

Das Wort “gebannt” hat im deutschen Sprachgebrauch zwei Bedeutungen: “Bannen” im Sinne von Fesseln oder eine Gefahr beseitigen. Mir kommt es manchmal so vor, als erreichten wir durch die Erkenntnis, ein Problem zu haben, öfter das Gegenteil von dem, was wünschenswert wäre. Wir bannen das Problem in unserem Geist zu etwas Unveränderlichem. Wir fesseln es, statt es loszulassen.  Es manifestiert sich in unseren Köpfen, weil wir uns dauernd damit beschäftigen und gar nicht mehr frei sein können. Wenn Ihnen morgen ein Arzt sagt, dass Sie wahrscheinlich sehr krank sind, dann werden Sie sich nur noch mit diesem Thema beschäftigen. Sie werden Bücher über Symptome, Krankheitsverlauf und mögliche Ausgänge wälzen. Auf diese Weise erhalten Sie das Problem, nicht die Lösung! Wenn es wirklich ein Problem gibt, dann wird es auch noch da sein, wenn Sie nicht darüber grübeln. Womit Sie sich allerdings gedanklich beschäftigen sollten, ist die Frage, was Sie wirklich wollen! Schließlich haben wir nicht ohne Grund Probleme. Sie verschaffen uns auch Vorteile. So kann man sich z.B. prima hinter einer Krankheit oder schlimmen Kindheit verstecken. Man zieht Aufmerksamkeit auf sich und bekommt Zeit und Liebe geschenkt, die man ohne Problem vielleicht nicht bekommen hätte. Wäre es nicht einfacher, würden wir unserer Bedürfnisse bewusst und sie rechtzeitig artikulieren?