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Archive für 9.1.2010

Fühle ich so, weil ich so denke oder denke ich so, weil ich so fühle?

Wenn Gedanken Gefühle beeinflussen können, dann stellt sich mir die Frage, ob meine spontanen Empfindungen - wie auch immer sie sein mögen - ebenfalls nur das Resultat vergangener Dialoge mit mir selbst sind? Oder anders ausgedrückt: Was war zuerst, der Gedanke oder das Gefühl?

Nehmen wir einmal an,  Sie hätten am folgenden Tag eine wichtige Sitzung/Präsentation. Sie haben gerade etwas gegessen und Ihnen ist gar nicht wohl in der Magengegend. Ihr Bauch ist angespannt und Ihnen ist speiübel. Vielleicht wird Ihnen gerade gar nicht bewusst, dass es auch mit dem bevorstehenden Ereignis zu tun haben könnte, denn Sie neigen seit jeher zu einem empfindlichen Magen. Sie werfen sich also einige Tabletten ein und gut ist.
Vor der nächsten Herausforderung treten die gleichen Symptome wieder auf, doch dieses Mal treffen Sie auf einen alten Freund, der Sie darauf bringt, dass  Sie das eigentlich immer schon hatten. Immer wenn es kniffelig wird, schreit Ihr Körper nach Hilfe. Warum fragen Sie nicht einfach danach und teilen Ihre Ängste und Sorgen mit anderen? Würden Sie damit in Ihren Augen Schwäche zeigen? Wurde Ihnen das zuhause auch so vorgelebt, dass man in diesem Leben ein Verlierer ist, wenn man sich situativ überfordert fühlt? Was glauben Sie noch alles, dass Sie es vorziehen, Ihre Emotionen lieber zu unterdrücken bzw. hinunterzuschlucken, als Sie an die Oberfläche kommen zu lassen? Was fühlen Sie eigentlich wirklich?
Vielleicht machen Sie sich ja nun die Mühe, der Sache auf den Grund zu gehen. Es könnte selbstverständlich alles ganz anders sein, doch wie auch immer es bei Ihnen aussieht, Sie können es nur erfahren, wenn Sie es zulassen und sich bewusst machen. Wenn Sie wüssten, warum sich Ihr Magen jedesmal heftigst zusammenzieht und irgendwas scheinbar zum Kotzen findet, könnten Sie sich das nächste Mal sagen, dass es sozusagen ein Fehlalarm ist. Sie könnten sich selbst beruhigen, weil Sie ja wissen, dass es dieselbe kindliche Angst vor Veränderung und Versagen ist.  In dem Maß wie Sie dann darüber denken, lassen auch Ihre Symptome nach, vorausgesetzt organische Ursachen können ausgeschlossen werden.

Was wir aus einer Körperwahrnehmung machen, d.h. wie wir sie bewerten und interpretieren, hängt also auch davon ab, wie wir das in der Vergangenheit getan haben, wie andere, bedeutende Menschen unseres engeren Umfeldes darüber denken oder dachten und ob wir diese Erkenntnis für unser zukünftiges Leben wichtig erachten oder nicht. Das Gefühl ändert sich durch unser Bewusstsein und trotzdem kann ich auch etwas empfinden, ohne dass es mir bewusst ist, was genau es ist oder woher es kommt. Mir reicht es zu wissen, dass ich auch an meinen Gefühlen etwas ändern kann und wie und wünsche Ihnen und mir dass es uns allen dabei gut geht.



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