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Januar 2010
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Archive für Januar 2010

Viel Zeit für NICHTS

Bereits letztes Jahr im Frühjahr verließ ich die WKW-Plattform und kritisierte die Anonymität und den kaum vorhandenen Nutzen eines solchen Netzwerks für mein Leben: “Keine Bange, ich kenne Euch noch!”.  Trotzdem meldete ich mich nach einer Weile wieder an. Irgendwie hatte man das Gefühl mit anderen Menschen verbunden zu sein, auch wenn man alleine am Schreibtisch saß. Da ich ein neugieriger Mensch bin und die Flut an Informationen über Personen, die ich im wahren Leben nie getroffen hätte, mich immer wieder faszinierte, war Frau fast ständig online.

Allerdings unterschätzt man einen wichtigen Aspekt: Nähe wird zur Illusion! Man glaubt viele Freunde zu haben, man schreibt mit fremden Menschen über intime Dinge, man erzeugt ein künstliches Nähe-Empfinden, obwohl man im realen Leben nicht einmal wüsste, ob man den anderen mag, ihm nie gegenüber gestanden hat, noch weiß, wer er wirklich ist. Hinter einem Fake kann sich durchaus ein liebevoller Mensch verstecken, doch wenn man ihm näher kommt, scheitert das Konstrukt an der Realität, eben weil es nur ein Konstrukt ist. Ich halte es sogar für gefährlich, wenn man sich nur noch diesen Zombies aussetzt und es fällt immer schwerer, diese von anderen zu unterscheiden.

Wenn ich mir überlege wieviel Zeit ich in den letzten Monaten darauf verschwendet habe, hier und dort zu klicken, in fremde Welten hinein zu schauen, immer wieder der falschen Hoffnung zu unterliegen, Freunde oder sogar einen Partner zu finden. Im Gegensatz zu anderen Netzwerken, bekommt man bei WKW keine Benachrichtigung über eingegangene Nachrichten per Mail, d.h. man schaut ständig nach der Post. Das haben die Erfinder schon clever eingefädelt. Da lob ich mir den klassischen Chat per ICQ oder Yahoo und auch die stink normale, elektronische Mail. Freunde kennen meine Kontaktdaten und welche, die es werden wollen, sollten sich wenigstens die Mühe machen müssen, mich oder das Telefonbuch zu befragen.



Wir begehren die Stärke und lieben die Schwäche

Selbstständige und scheinbar unabhängige Menschen verfügen über eine magnetische Anziehungskraft auf eher passive, abhängige Zeitgenossen. Sie können sich und andere schnell für etwas begeistern und ziehen sie förmlich mit. Wenn wir uns immer nur an - aus unserer Sicht - stärkeren Personen orientieren würden, dann wäre jeder von uns ständig auf der Suche danach und niemand mit seiner Wahl zufrieden. Der vermeintlich unabhängigere Part in einer Beziehung wird sich seiner Position relativ schnell bewusst werden. Er könnte auch den Drang verspüren, nach etwas Besserem Ausschau zu halten.

Dabei könnte der angeblich Stärkere und Erfolgreichere genauso schnell in der Position seines Gegenübers sein. Eine Krankheit oder ein sonstiges, schicksalhaftes Ereignis könnte ihm jederzeit alles nehmen und den Spieß umdrehen. Der Schwächere wiederum hat jederzeit die Chance sein Vorbild zum Anlass zu nehmen, ihm näher zu kommen. Im besten Fall erkennen das beide und lernen genau das am anderen schätzen. Das Optimum liegt irgendwo in der Mitte.

So sehr uns auch die Stärke anzieht, lieben tun wir die Schwäche des anderen. Wenn Sie Pärchen danach befragen, was sie am anderen lieben, dann berichten sie von den kleinen, geliebten Macken. An der Oberfläche mögen wir alle glänzen, aber wie es innen drin aussieht, weiß meistens nur ein geliebter Mensch, dem wir uns geöffnet haben. Diese exklusive Seite unserer Persönlichkeit zeigen wir nur Menschen, denen wir vertrauen. Und genau dieses Vertrauen ist das größte und wertvollste Geschenk, das wir für uns und andere zu geben haben.

Wenn Sie sich der Liebe eines anderen sicher sein wollen, dann zeigen Sie sich und Ihre Schwäche. Er/Sie wird sie dafür immer lieben. Es ist der tiefe Respekt der Natur vor der Schöpfung, weil wir Menschen letztlich alle schwach sind und irgendwann sterben. Wir alle haben uns davon noch genug erhalten, um wahre Liebe zu erkennen.



Was weiß denn ich

Manchmal ist Nichtwissen besser als Wissen, denn je mehr wir wissen, desto mehr versuchen wir das, was wir zu wissen glauben, zu bestätigen. Der Kopf sagt uns schon vorher, wie es sein müsste, dabei könnte ein anderer Weg in diesem einen Fall die bessere Wahl sein. Und selbst wenn der Pfeil am Ziel vorbei schießt, kann auch das Sinn machen. Dieses Mal habe ich keine Ahnung, wo es hingeht, lasse mich überraschen und genieße. ;-)

Freier Fall

Ich bewundere Menschen, die sich aus mehreren Tausend Metern in die Tiefe stürzen, die wie kleine Marionetten an Fäden hängen, sich auf ein Stück Seidenstoff verlassen und sich den Gewalten von Wind und Erdanziehung stellen. Eine knappe Minute geht es im freien Fall einfach nach unten. Schon der Gedanke daran lässt mich erzittern. “Was muss das für ein Gefühl sein?”, habe ich mich schon des Öfteren gefragt, wenn mir ein guter Freund davon berichtete. Dabei wurde mir noch nie so richtig bewusst, dass ich im Grunde das Gleiche tue, wenn ich auf eine Bühne steige und mich vor das erwartungsschwangere Publikum stelle und singe. Man steht da vorne ganz allein, hat die anderen Musiker im Rücken. Es gibt nur geradeaus und durch, kein zurück. Ich kann mich mittlerweile überall und mit jedem Profi einfach so auf diese Bretter begeben, ohne dass ich überhaupt weiß, was mich genau erwartet. Ich lasse mich einfach fallen und verlasse mich auf mein Know-How und das der anderen. Ich tue es, weil es ein wahnsinnig geiles Gefühl ist. Es kommt ganz aus dir - Du bist einfach Du - und zusammen mit den anderen ein harmonisches Ganzes. Jeder bringt sich mit etwas Besonderem ein, zeigt was in ihm steckt und dabei wirst du immer wieder überrascht. Man pusht sich gegenseitig und lässt es einfach geschehen. Der Rhythmus trägt dich, dein Fallschirm ist der Groove. Und obwohl es so genial ist, frage ich mich vor jedem Gig, warum ich mir das immer wieder antue. Kaum, dass ich einen Ton gesungen habe, weiß ich es wieder. :-)



Auf der Suche nach MEHR

Wir leben in einer Zeit, in der uns die Werbung vorgaukelt, dass wir unser Glück im Besitzen (= Kaufen) von Gütern und Dienstleistungen finden. So aufgeklärt wir auch sein mögen, so professionell sind diese Botschaften gestaltet, dass sie tief in unser Unterbewusstes dringen und dort auch wirken ohne, dass es uns bewusst wird. Das bedeutet: Wir leben eigentlich immer in einem Mangel-Zustand und der fatale Schluss - den wir daraus automatisch ziehen - ist der, dass wir glauben wir müssten unglücklich sein, wenn wir dieses oder jenes nicht haben. Dabei haben Sie schon jetzt alles was Sie brauchen, sie leben doch, oder? Wenn Sie an diesen Schwindel glauben, wird Ihnen immer etwas fehlen. Sie werden immer auf der Suche nach MEHR sein, nach der Fülle, die diesen angeblichen Mangel ausgleicht. Sie werden zu den Menschen gehören, die mit dem was sie besitzen, mit dem was sie umgibt, nicht wirklich zufrieden sind.

Hinterfragen Sie doch einmal, warum Sie eigentlich reich sein wollen, warum sie im Lotto gewinnen möchten oder warum sie gerne erfolgreicher im Beruf wären. Sehen sie eine reale Notwendigkeit oder ist es eher, dass sie glauben etwas haben zu wollen, nur weil sie es jetzt eben nicht glauben zu haben? Vielleicht sind Sie schon jetzt reicher als Ihnen bewusst ist. Es gibt oft eine Notwendigkeit, sich zu verändern, zu verbessern oder zu erweitern, zu entwickeln. Es gibt aber auch verschiedene Motive dazu. Machen Sie sich doch einfach mal bewusst, warum Sie das tun, was Sie tun, warum Sie das wollen, was Sie wollen und warum sie so denken, wie Sie denken. Vielleicht brauchen Sie dann gar nicht mehr MEHR!?



Wer sich von allen Seiten kennt

Sie haben sicher Spiegel in Ihrer Wohnung und stellen sich ab und zu davor.  Ich nehme mal an, dass Sie sich meistens von vorne ansehen, doch wissen Sie auch, wie Ihre anderen Seiten aussehen? Kennen Sie Ihr Profil? Haben Sie sich schon einmal von unten und oben betrachtet? Eine andere Person, die Ihnen nahe steht, würde Sie im Laufe der Zeit aus allen Perspektiven kennen. Sie lernen also dadurch, dass Sie sich zeigen und andere Ihnen mitteilen, wie sie Sie sehen, viel über sich selbst.

Indem wir jemanden an uns nahe genug heran lassen, wollen wir gewisse Seiten in uns aufdecken. Tief in uns drin steckt der Wunsch endlich erkannt zu werden, wie wir wirklich sind. Genau das geschieht dann auch, wenn wir uns auf Nähe einlassen. Wir bergen etwas in uns, was bislang tief vergraben schien und an die Oberfläche will, damit wir es endlich sehen können. Und es ist nicht immer schön und strahlend, was wir dabei entdecken. Es ist die größte Chance, die Sie im Leben haben, sich dafür frei zu machen und der Herausforderung zu stellen, viel über sich selbst zu erfahren.

Vielleicht haben Sie auch Angst davor zu erfahren, was in Ihnen alles schlummert und hängen lieber die Spiegel ab? Kein Mensch ist vollkommen und wer hat schon das Recht darüber zu urteilen? Sie können immerhin selbst bestimmen, in welchen Dosen Sie sich diese Erfahrung gönnen bzw. antun. Lassen Sie sich Zeit, greifen Sie nach dem Spiegel, wie es Ihnen gut tut und betrachten Sie sich in Ruhe. Es ist alles gut, wie es ist und wenn Sie alles gesehen haben, wird Ihnen nichts und niemand mehr Angst machen. Sie entscheiden dann selbst, welche Seite(n) Sie zum Schwingen bringen wollen!



Jetzt wird’s richtig schön! :-)

Manchmal geht die Verbindung zu sich selbst verloren. Andere ziehen und zerren an Dir herum und Du hast das Gefühl, einfach nicht weiter zu kommen. Zwischen Ziehen und Begleiten ist ein großer Unterschied. Wenn dann noch eine gewisse Grundängstlichkeit hinzukommt, dann lässt man sich schon mal zu etwas bewegen, das man eigentlich nicht wirklich so wollte und irgendwann steht man an einer Stelle, die gar nicht passt. Die Ratschläge der anderen sind vielfach gut gemeint, aber das reicht leider nicht aus, um wirksam zu verändern, denn es sind immer Aussagen über diejenigen, die sie aussprechen, es sind DEREN Wahrheiten und Glaubenssätze. Insofern kann auch so ein Blog wie dieser nur bedingt hilfreich sein. Bestenfalls bringt er Sie auf die Idee etwas zu überdenken oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Was für Sie stimmig ist, müssen Sie schon selbst herausfinden. Diese Aufgabe nimmt Ihnen keiner ab. Leben kann man nicht nach einem Lehrbuch leben. ES ist richtig, wenn es für SIE richtig ist. ES ist schön, wenn es für SIE schön ist. ES macht glücklich, wenn es SIE glücklich macht. Schenken Sie IHRER Stimme Gehör.



Den Sie vermissen, lieben Sie auch

Mit der Liebe ist das so eine Sache. Da lebt man vielleicht mit einem Partner zusammen, sieht und hört ihn jeden Tag und weiß es nicht mehr zu schätzen, weil er ja immer da ist. Man muss sich nicht (mehr) um ihn bemühen, noch überzeugen. Man wacht mit ihm auf und schläft mit ihm ein und ehe man sich versieht, achtet man mehr auf die Dinge, die einem nicht so sehr gefallen, als auf die Eigenschaften, die einen einst anzogen.  An die schönen Dinge im Leben gewöhnt man sich schnell. Der Reiz des Neuen ist vergänglich. Es gibt da keine allgemein gültige Formel, die man für ewiges Glück formulieren könnte. Sie werden aber vielleicht selbst schon mal erlebt haben, dass Sie, wenn Sie jemanden vermissen, nur an die schönen Seiten der Person denken. Warum sollten Sie sie auch sonst hören, sehen, spüren wollen. Sie verbinden mit Ihren Erinnerungen wohltuende Erlebnisse, Empfindungen, Erfahrungen.  Und genau das, wonach Sie sich gerade sehnen, ist das, was Ihnen Ihr Partner zu schenken vermag. Der erste Name, der Ihnen in den Sinn kommt, den Sie anrufen oder besuchen möchten, ist eben auch genau die Person, die in Ihrem Herzen wohnt, mehr müssen Sie gar nicht wissen. Und wenn Sie schon mit ihm leben, dann sagen Sie es ihm doch trotzdem noch ab und zu.



Fühle ich so, weil ich so denke oder denke ich so, weil ich so fühle?

Wenn Gedanken Gefühle beeinflussen können, dann stellt sich mir die Frage, ob meine spontanen Empfindungen - wie auch immer sie sein mögen - ebenfalls nur das Resultat vergangener Dialoge mit mir selbst sind? Oder anders ausgedrückt: Was war zuerst, der Gedanke oder das Gefühl?

Nehmen wir einmal an,  Sie hätten am folgenden Tag eine wichtige Sitzung/Präsentation. Sie haben gerade etwas gegessen und Ihnen ist gar nicht wohl in der Magengegend. Ihr Bauch ist angespannt und Ihnen ist speiübel. Vielleicht wird Ihnen gerade gar nicht bewusst, dass es auch mit dem bevorstehenden Ereignis zu tun haben könnte, denn Sie neigen seit jeher zu einem empfindlichen Magen. Sie werfen sich also einige Tabletten ein und gut ist.
Vor der nächsten Herausforderung treten die gleichen Symptome wieder auf, doch dieses Mal treffen Sie auf einen alten Freund, der Sie darauf bringt, dass  Sie das eigentlich immer schon hatten. Immer wenn es kniffelig wird, schreit Ihr Körper nach Hilfe. Warum fragen Sie nicht einfach danach und teilen Ihre Ängste und Sorgen mit anderen? Würden Sie damit in Ihren Augen Schwäche zeigen? Wurde Ihnen das zuhause auch so vorgelebt, dass man in diesem Leben ein Verlierer ist, wenn man sich situativ überfordert fühlt? Was glauben Sie noch alles, dass Sie es vorziehen, Ihre Emotionen lieber zu unterdrücken bzw. hinunterzuschlucken, als Sie an die Oberfläche kommen zu lassen? Was fühlen Sie eigentlich wirklich?
Vielleicht machen Sie sich ja nun die Mühe, der Sache auf den Grund zu gehen. Es könnte selbstverständlich alles ganz anders sein, doch wie auch immer es bei Ihnen aussieht, Sie können es nur erfahren, wenn Sie es zulassen und sich bewusst machen. Wenn Sie wüssten, warum sich Ihr Magen jedesmal heftigst zusammenzieht und irgendwas scheinbar zum Kotzen findet, könnten Sie sich das nächste Mal sagen, dass es sozusagen ein Fehlalarm ist. Sie könnten sich selbst beruhigen, weil Sie ja wissen, dass es dieselbe kindliche Angst vor Veränderung und Versagen ist.  In dem Maß wie Sie dann darüber denken, lassen auch Ihre Symptome nach, vorausgesetzt organische Ursachen können ausgeschlossen werden.

Was wir aus einer Körperwahrnehmung machen, d.h. wie wir sie bewerten und interpretieren, hängt also auch davon ab, wie wir das in der Vergangenheit getan haben, wie andere, bedeutende Menschen unseres engeren Umfeldes darüber denken oder dachten und ob wir diese Erkenntnis für unser zukünftiges Leben wichtig erachten oder nicht. Das Gefühl ändert sich durch unser Bewusstsein und trotzdem kann ich auch etwas empfinden, ohne dass es mir bewusst ist, was genau es ist oder woher es kommt. Mir reicht es zu wissen, dass ich auch an meinen Gefühlen etwas ändern kann und wie und wünsche Ihnen und mir dass es uns allen dabei gut geht.



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