Infos

Sie befinden sich aktuell in den sabina voice blog Blog-Archiven für den folgenden Tag 5.12.2009.

Dezember 2009
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Kategorien

Archive für 5.12.2009

Mathe aktuell: Kaffee-Bohne oder Kapsel?

Vor kurzem gab mein Kaffee-Vollautomat leider den Geist auf. Meine Saeco tat mir die letzten acht Jahre treue Dienste, abgesehen von einigen Anfangsdefekten, die scheinbar normal sind für solche Maschinen und auch kostenfrei innerhalb der Garantiezeit behoben wurden. Da mein morgendlicher Milchkaffee einen großen Teil meiner Wellness ausmacht, musste die Lücke schnell wieder gefüllt werden. Ich konnte mich nur schwer entscheiden, denn schließlich halte ich mich für einen Genießer, gerade was Espresso und Latte angeht. So machte ich mich also auf, den Geschmackstest zu machen und probierte sowohl Pad- als auch Kapselmaschinen. Letztere wurden mir von Freunden empfohlen, doch bei meinem Kaffeekonsum schwante es mir schon vor den Aluminium Müllbergen. Da sich mittlerweile der deutsche Durchschnittsbürger immer mehr für das frisch Aufgebrühte interessiert - immerhin verzeichnete der Deutsche Kaffeeverband in den letzten beiden Jahren einen Zuwachs bei Espresso um jeweils 20 Prozent - wundert es mich nicht, dass die Regale im Elektrofachhandel voll mit hochpreisigen Kaffeeautomaten sind. Das Weihnachtsgeschäft blüht und wie meinte da doch eine Verkäuferin sinngemäß: “Wenn Sie einmal einen Vollautomaten hatten und diesen Genuss gewöhnt sind, trinken Sie keinen anderen Kaffee mehr”. Nun, das dachte ich anfangs auch. Allerdings hatte ich überhaupt keine Lust, einen halben Tausender auf den Tisch zu legen, bloß um morgens nicht auf mein vertrautes Heißgetränk verzichten zu müssen. Da fielen mir andere Wünsche ein, die mir für dasselbe Geld sinnvoller erschienen. Selbst die Kapselquetscher fand ich absolut überteuert. Ich gebe doch keine 180 Euro dafür aus, dass eine Maschine Wasser durch Kaffeepulver presst. Früher bekam man locker für die Hälfte der Kosten ein solides Heißwasser tropfendes Gerät. Mit einer Tüte Espressobohnen (1000g für 10 Euro), konnte ich in der Vergangenheit mal locker einhundert Tassen aufbrühen, allerdings ratterte diese dann auch dementsprechend oft. Die knapp 10 Cent pro Tasse war mir der Spaß wert.

Kapseln enthalten in der Regel 8g braunes Pulver und kosten zwischen 25 und 35 Cent das Stück. Ich habe dann natürlich gleich mal ausgerechnet, ab wann sich die Anschaffung eines Vollautomaten lohnt. Ich fand nämlich eine günstigere Nespresso-Alternative von Tchibo, mit der ich gerade sehr zufrieden bin, und die man bereits für 100 Euro erwerben kann. Andere Hersteller gibt es natürlich auch. Meine Gleichung sieht wie folgt aus:

100 + 0,25x = 500 + 0,09x

(Annahmen: Kaufpreise: 100 EUR für eine Kapselmaschine, bzw. 500 EUR für einen Vollautomaten, Kaffeekosten pro Tasse: 0,25 EUR bei Tchibokapseln, bzw. 9g Kaffeepulver pro Tasse aus gemahlenen Bohnen zu 10 EUR das Kilo).

Löst man die Gleichung nach x auf, so erhält man die Anzahl der Tassen, bei der die Kosten für beide Varianten gleich sind. Nach Zubereitung von 2.500 Portionen braunen Heißgetränks macht sich also die Anschaffung eines Vollautomaten bezahlt. Bei einem durchschnittlichen Kaffeekonsum von 4 Tassen täglich, könnte ich demzufolge fast zwei Jahre für das gleiche Geld meinen Espresso genießen, allerdings ist die Lebensdauer eines teuren Gerätes in der Regel viermal so lang. Über einen Zeitraum von acht Jahren gerechnet, kostet mich also zukünftig mein kleiner Luxus ca. 26 Cent, früher gerade mal die Hälfte.

Allerdings spare ich jetzt trotzdem gegenüber früher. Meine Gewohnheiten haben sich geändert, d.h. ich trinke nun bewusst weniger als damals - schon wegen des Abfalls - und ich spare eindeutig Strom, weil ich das Gerät nun nur noch kurzzeitig zum Zubereiten einschalte und dann auch gleich wieder aus. Meine Saeco hatte oft den ganzen Tag Bereitschaft und hielt für teures Geld die Tassen warm. Diese Standbyzeiten verbrauchen mal eben 20 und mehr Watt pro Stunde, je nach Modell. In meinem Fall hat mich das in etwa einen Fünfziger im Jahr zusätzlich gekostet. Außerdem finde ich klasse, dass das neue, schmale Gerät auch normalen Brühkaffee auf Knopfdruck erzeugt, denn noch längst nicht jeder mag Espresso. Für den Kaffeeklatsch bevorzuge ich allerdings weiterhin meine altbewährte Filtermaschine, denn für große Mengen scheint mir das andere Verfahren ungeeignet.



|