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September 2009
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Archive für 24.9.2009

Mehr Zeit zum Ausprobieren und Einstudieren

Was uns in der heutigen Zeit fehlt, ist Zeit zum Ausprobieren. Wir sind entweder dermaßen zielstrebig unterwegs, dass uns alles nicht schnell genug gehen kann oder wir dümpeln vollkommen lustlos vor uns hin und tun damit auch nichts. Zwischen “Streben” und “Abhängen” scheint es nicht viel zu geben. Dabei sind das nur die beiden Pole. Das meiste liegt irgendwo dazwischen.

Wenn uns die Übung fehlt, dann haben wir das Wissen noch nicht in den Füßen. Erst mit einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen unserer TATEN gehen wir voran und speichern unsere Erfahrungen langfristig. Dieses Wissen ist uralt und doch vergessen wir es immer wieder, sogar in der Schule. Fähigkeiten erwachsen aus Wissen UND Übung, Glaube UND Motivation, Geduld und Spucke, wie der Volksmund sagt. Was schnell wächst, fällt auch schnell wieder zusammen.

Der Fokus - in Lehre und Wirtschaft - sollte beim TUN liegen, nicht allein bei der Wissensvermittlung. Was nützen uns alle möglichen Regeln und Formeln im Kopf, wenn wir sie nicht umgesetzt bekommen? Da pauken Gymnasiasten Differentialrechnung, können Ableitungen und Grenzwerte berechnen, doch wenn man sie danach befragt, WAS sie damit eigentlich bestimmen und wozu, zucken sie fast alle nur mit den Schultern. Das ist in etwa so, als wüssten sie nicht was sie tun, wenn sie im Auto sitzend Gas geben. Was soll sie dazu bringen in der Schule Gas zu geben, wenn Sie den dahinter liegenden SINN nicht verstehen und ihn durch ihre eigenen Erfahrungen nicht vertiefen können?

Bis der “Gähn-Effekt” eintritt - so nenne ich den Zustand, an dem man anfängt sich zu langweilen, weil man etwas ausreichend oft geübt hat - braucht es seine Zeit. Mit dem Wissen und dem Glauben fängt man an. Dann steht man plötzlich vor der ersten Hürde und weiß nicht, wie man sie nehmen soll. Mit ausreichend Selbstvertrauen kann man sie meist bezwingen und versucht weiter, bis man an die nächste vermeintliche Grenze gelangt. Nun fällt es einem bereits leichter, weiter zu kommen, weil man es schon einmal geschafft hat. Man registriert den Fortschritt und wird motivierter und schneller. Nach drei bis vier Wiederholungen ist man dann in der Regel so geschickt, dass man keine Angst mehr vor neuen Herausforderungen hat. Nach der fünften Aufgabe gleichen Prinzips, beginnt bereits die Routine und die Hand wandert gelangweilt vor den Mund.

Das bedeutet aber auch, dass wir mit geringer oder fehlender Möglichkeit des Einübens, bereits vor der ersten Barriere resignierend stehen bleiben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Zeit zum Üben nehmen .. und nicht nur beim Rechnen! ;-)



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